Kritik zu Leif in Concert Vol. 2

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Vielleicht das perfekte Post-Corona-Kino: Christian Klandt erzählt in kleinen Episoden, gerahmt durch einen Tag im Leben einer Kellnerin, aus dem Mikrokosmos einer Kellerkneipe

Bewertung: 4
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4 (Stimmen: 1)

Der Film ist eine Ode an die Kellerkneipen dieser Welt und damit in Corona-Zeiten vor allem eins: Sehnsuchtskino, das den Nachtschwärmer an jenen Ort bringt, von dem er in den letzten Wochen oft nur träumen konnte. Aber mal abgesehen davon, dass Christian Klandts Film perfekt in diese vorsichtige erste Post-Corona-Phase passt: »Leif in Concert« ist einfach ein unglaublich sympathischer Film, dem man die ein oder andere Länge und seine gelegentliche Fahrigkeit gerne verzeiht. 

Den Universalitätsanspruch für zumindest deutsche Gefilde formuliert Klandt gleich zu Beginn, wenn Barfrau Lene (Luise Heyer) auf dem Weg zur Arbeit am Kölner Dom, am Alex und am Frankfurter »Mainhattan« vorbeiradelt. Die Kneipe, in deren Dunkel sie schließlich von einem Typen erschreckt wird, der sich »mal wieder« hat einsperren lassen, gibt es so oder so ähnlich in den meisten Städten: ein Kellergewölbe, die Luft zum Schneiden, überall Poster und Aufkleber, das Licht künstlich leuchtend. Dass wir den Namen der urigen Kaschemme nicht erfahren, passt da freilich ins Bild.

Die Seele des Films und der Bar ist Lene, von Heyer wunderbar zwischen Abgebrühtheit und Unsicherheit gespielt. Ihr Tag im Keller, vom Aufräumen bis zum geplanten Konzert des Musikers Leif, den die Kellnerin während eines Aufenthalts in Kopenhagen kennengelernt hat, bildet die lose Rahmenhandlung. Außerdem steht eine große Entscheidung an: Neles Chef Klaus (Klaus Manchen) sieht in ihr seine Nachfolgerin.

Daneben geht es Klandt vor allem um das Lebensgefühl und um die kleinen (absurden) Geschichten: um eine Oma und ihren Enkel, die sich in den Keller verirren und einen Tanz aufs Parkett legen; um Tanztruppen, Bands und eine Poetin (Maryam Zaree), die tagsüber auf der Bühne proben; um das schwule Türsteherpaar, das sich wegen eines Luftgitarren-Wettbewerbs fast die Köpfe einhaut; um einen Typen (Bela B), der seiner weiblichen Begleitung die beklopptesten App-Ideen unterjubeln will (hoch im Kurs: eine Chamäleon-App, die das Smartphone vor Dieben schützen soll). Oder um einen krude Vorträge haltenden Doktor, dessen Gegenüber (Tom Lass) um sein neues Laster kämpft: »Ich versuche gerade, mit dem Rauchen anzufangen, und das erfordert viel Disziplin«.

In kleinen Episoden steckt »Leif in Concert« den Mikrokosmos und seine »Bewohner« ab und erzählt damit viel über das Leben selbst. Damit steht Klandts »Film mit Freunden«, wie es auf dem Plakat heißt, in der Tradition von episodischen Indiefilmen wie Jim Jarmuschs »Coffee and Cigarettes« oder Wayne Wangs »Smoke« und »Blue in the Face«. Geraucht wird in der deutschen Kneipenversion sicher genauso viel wie in Auggie Wrens Tabakladen. 

Klandts prominent besetzter Film wimmelt vor kautzig-coolen Typen und schönen Ideen. Warum etwa bimmeln beim Betreten von Lenes Chef nie, wie bei allen, die Türglocken? Klar, weil er der Chef ist. Am Ende filmt Bela B mit dem unsichtbaren Handy und Lene hat Gewissheiten. Und man wünscht sich, Klandt würde auch Vol. 1 noch drehen.

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