Kritik zu Lauras Stern

© Warner Bros. Pictures

Joya Thome, bekannt geworden mit »Königin von Niendorf«, hat das berühmte Bilderbuch neu verfilmt. Oder eher: ein Live-Action-Remake der ersten animierten Kinoadaption inszeniert – bis in einzelne Einstellungen hinein

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»Lauras Stern« ist eines der beliebtesten Bilderbücher für kleine Kinder, geschrieben 1996 von Klaus Baumgart, der noch weitere Bücher über Laura und ihren Stern folgen ließ, übersetzt in mehr als 25 Sprachen. Mit diesem Erfolg im ­Hintergrund entstanden eine Fernsehserie und 2004 die erste animierte Kinoadaption von Piet de Rycker und Thilo Graf Rothkirch. Nun also ein Realfilm von Joya Thome – ein Déjà-vu-Erlebnis der besonderen Art, denn man sieht durch die nun realen Filmbilder eins zu eins die gezeichnete Version der ersten Adaption. Die 31-jährige Thome hatte mit »Königin von Niendorf« (2017) ein beeindruckendes Debüt vorgelegt, einen Spielfilm über ein starkes Mädchen, das auf dem flachen Brandenburgischen Land seinen eigenwilligen Weg geht. Nach dieser mutigen Low-Budget-Produktion mag eine Zusammenarbeit mit dem Branchenriesen Warner eine Verlockung gewesen sein – mit einer gesicherten Finanzierung, um eine sympathische Marke wie diese zu verfilmen. Herausgekommen ist allerdings dramaturgisch und visuell ganz genau dieselbe Story im gleichen Look wie einst, jetzt eben mit »echten« Bildern, unterstützt von Computertechnik für den glitzernden Stern und die lebendigen Kuscheltiere. 

»Lauras Stern« feierte in diesem Jahr Weltpremiere auf dem Kinderfilmfest München und erzählt von der kleinen Laura, die mit Eltern und jüngerem Bruder vom Land in die Stadt gezogen ist, wo sie sich so gar nicht wohlfühlt. Eines Nachts beobachtet sie einen Stern, der vom Himmel stürzt.  Als sie ihn im Park findet und rettet, stellt sie fest, dass ihm eine Zacke fehlt. Sie nimmt ihn mit nach Hause, verarztet ihn, und die zwei werden unzertrennlich Freunde. 

Die Handlung verläuft analog zur Geschichte von »E.T.«. Ein Held aus dem Universum besucht für kurze Zeit die Erde, um einem traurigen Menschenkind zu helfen und bald darauf wieder in seiner Umlaufbahn zu verschwinden, weil er hier unten krank wird und im Übrigen seine Schuldigkeit als Deus ex Machina getan hat. Laura wird über die Freundschaft zu ihrem Stern in dem Nachbarsjungen Max einen echten Freund finden und sich mit der Stadt arrangieren. 

Die Geschichte ist wirklich anrührend und universell. In der Neuverfilmung hätte man sich allerdings ein paar Akzente gewünscht, die eine Adaption plausibel machen. Aber wir haben es bis in die letzte Einstellung mit dem gleichen Film wie damals zu tun. Das ist den heutigen jungen Zuschauern natürlich egal; sie werden den in die Jahre gekommenen wunderbaren Animationsfilm vermutlich nicht kennen und das Kinoerlebnis genießen, denn die kleine Darstellerin der Laura und auch der Rest des Ensembles machen ihre Sache gut. Es ist allerdings wirklich schade, dass wir die Handschrift der jungen Regisseurin nicht erkennen. Ein perfekter Familienfilm zur Weihnachtszeit, der zum Träumen einlädt, untermalt mit fulminantem Score von Hans Zimmer. Auch diese neu arrangierte Musik kommt einem allerdings irgendwie sehr bekannt vor.

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