Kritik zu Küss den Frosch

© Walt Disney

2009
Original-Titel: 
The Princess and the Frog
Filmstart in Deutschland: 
10.12.2009
L: 
97 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Gespannt sein durfte man auf Disneys Rückkehr zum traditionellen Zeichentrickfilm, der inzwischen fast ganz von der Computeranimation verdrängt wurde. Doch »Küss den Frosch« schafft den Spagat zwischen Tradition und Moderne

Bewertung: 3
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In Hollywood war er praktisch ausgestorben, der klassische Zeichentrickfilm, den Walt Disney 1937 mit seinem ersten abendfüllenden Werk »Schneewittchen und die sieben Zwerge« zu früher Blüte geführt hatte und der jahrzehntelang synomym mit dem Namen Disney war. Die Walt Disney Company hatte ihren letzten mit »Die Kühe sind los« (2004) vorgelegt; danach angefertigte Werke, allesamt Fortsetzungen erfolgreicher Kinofilme, waren ausschließlich für den Heimkinomarkt bestimmt, auch wenn man »Pooh's Heffalump Movie« (2005) noch eine Kinoauswertung zuteil werden lies. Schon bei »Bambi 2« (2006) gab es die nur außerhalb der USA.

Es musste wohl erst John Lasseter Verantwortlicher für die Animationsfilme von Disney werden, um eine Rückbesinnung einzuleiten paradoxerweise derselbe John Lasseter, der mit seiner Firma Pixar dank des immensen Kassenerfolges der computeranimierten »Toy Story« (1995) und der nachfolgenden neun Pixar-Filme den kommerziellen Untergang des Zeichentrickfilms beschleunigt hat. So dürfte die jetzige Wiederbelebung Folgen haben für die ganze Branche, die dann vielleicht nicht mehr nur auf die Computeranimation setzt.

Eine Weiterentwicklung allerdings war von »Küss den Frosch« nicht zu erwarten, wie auch die Wahl des Regisseursduos anzeigt: Ron Clements und John Musker hatten zuvor bereits »Arielle – Die Meerjungfrau«, »Aladdin«, »Hercules« und »Der Schatzplanet« verantwortet – der Letztere ein Dokument dafür, wie man versucht, mit billigen Modernismen auf einen fahrenden Zug aufzuspringen und dabei abstürzt.

Dem Zuschauer wird also Vertrautes geboten: eine Prinzessinnengeschichte, Gesangsnummern und amüsante Sidekicks in Tiergestalt (allen voran der Trompete spielende Alligator Louis). Neu ist, dass die Hauptfigur Tiana eine Farbige ist. Nach einer indianischen (»Pocahontas«) und einer chinesischen (»Mulan«) Prinzessin war das überfällig. Schwierig genug war ja schon, wie man auch in der deutschen Presse lesen konnte: dass Tiana ursprünglich Maddy (Madeleine) heißen und Dienerin einer Weißen sein sollte.

Stattdessen arbeitet sie jetzt als Kellnerin, um sich ihren »American Dream«, ein eigenes Restaurant, zu erfüllen. Wenn ihr Traum in einer Vision zum Leben erwacht, greift der Film auf einen anderen Stil zurück, karger und abstrakter – das hat es bei Disney und Pixar sonst in den letzten Jahren nur im Vor- beziehungsweise Nachspanndesign gegeben, ein schöner Hinweis darauf, dass es auch noch andere Zeichenstile gibt. Das New-Orleans-Setting hat Randy Newman (der schon für mehrere Pixar-Filme Soundtracks beisteuerte) musikalisch ansprechend eingefangen, die Dialoge sind pointiert – bleibt zu hoffen, dass die deutsche Synchronfassung dieses Gefühl transportiert. Dass der Clou der Geschichte die Tatsache ist, dass der Kuss des verzauberten Prinzen ihn nicht wieder zum Menschen, sondern Tiana zum Frosch macht, dürfte sich ja inzwischen herumgesprochen haben.

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