Kritik zu Kinders

© Partisan Filmverleih

Ein Dokumentarfilm über ­verborgene Potentiale, Kreativität und ­Integration: Die Filmemacher Arash und Arman T. Riahi begleiten Kinder im österreichischen Musik­förderprojekt »Superar«

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»Mein Hauptgefühl ist Wut, Wut, Wut und ich hasse Singen«, das stellt die junge, aus der Mongolei stammende Ariunaa fest, um gegen Ende des Dokumentarfilms zu ihrer Mutter zu sagen: »Stell dir vor, ich würde für Russland beim Eurovision Song Contest singen«. Was ist in der Zwischenzeit aus ihrer Wut geworden und ihrem Hass gegen das Singen? Ganz einfach – sie hat an dem Musikprogramm »Superar« teilgenommen. Nun, ganz so einfach ist es natürlich nicht . . .

Neben Ariunaa beobachten die Regiebrüder Arash T. und Arman T. Riahi fünf weitere Kinder, die aus den unterschiedlichen Gründen Probleme haben und darum kämpfen, ihren Platz in der Welt zu finden. Denise hat schon sehr früh einen Nierenkrebs besiegen müssen, Zaina ist eine schüchterne Muslimin, die sich schämt, laut zu singen, oder Denizcan, der nach der Trennung seiner Eltern in einer betreuten Wohngruppe lebt. Wir begleiten die Kinder ein Jahr lang in ihren unterschiedlichen Lebenszusammenhängen und hören ihren Ängsten und Hoffnungen zu. Jedes dieser Kinder besucht in Wien eine Grundschule, die am Musikprojekt »Superar« teilnimmt. Intensiver Musikunterricht schult die Kinder vor allem darin, ein Gemeinschaftsgefühl herzustellen, indem sie zusammen singen oder musizieren, im Sommercamp finden dann all die verschiedenen Kinder zusammen. Hier entstehen einige der anrührenden Szenen, wenn beispielsweise Ariunaa mit drei anderen Mädchen unter einem Baum zusammen sitzt und den Tod ihres Vaters beweint. Nun wissen wir also, wo ihre Wut herkommt und den anderen gelingt es, sie zu trösten und schließlich zum Lachen zu bringen. Da ist er, der Zusammenhalt, den die Musik befördert.

Im Prinzip ist dieses Projekt ein zutiefst humanistisches, mit einer politischen Vision. Denn wer schon früh lernt, auf andere Menschen Rücksicht zu nehmen, weil ohne aufeinander zu hören im Orchester kein Gleichklang entsteht, der wird als Erwachsener niemanden diskriminieren, nur weil er anders aussieht. Der Erfolg stärkt das Selbstvertrauen jedes Einzelnen und über diese Erfahrung gelingt es, auch andere problematische Situationen zu meistern. Der junge Taib aus Bosnien trägt stolz seine Liedgedichte vor und will sich nicht mehr von seinem Bruder anhören, mehr Sport zu treiben und endlich abzunehmen. Nach Taibs Vortrag bleibt dem Älteren nur, ihm den Boxhandschuh hinzuhalten – zum Abklatschen. Heimliche Stars sind allerdings die Lehrer, die mit viel Geduld und unglaublichem Einfühlungsvermögen die Schüler motivieren. Ohne diese unterschiedlichen Persönlichkeiten, die für ihre musikalische Passion brennen, würden die Kinder sich nicht begeistern lassen. Zum Schluss findet das jährliche große Finale im Wiener Konzerthaus statt und spätestens dann rollen Tränen vor Rührung und des Stolzes bei den Erwachsenen. Die meisten von ihnen hätten wohl nie daran geglaubt, ihre Tochter, ihren Sohn da oben auf der Bühne zu erleben und sie beinah nicht wieder zu erkennen.

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