Kritik zu Iron Sky

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Was es zum Endsieg braucht? Die Speicherkapazität eines handelsüblichen Mobiltelefons. Der Finne Timo Vuorensola hat mit spektakulären Effekten eine schräge Sci-Fi-Komödie gedreht, in der Nazis sich auf dem Mond zwischengelagert haben

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Für manche war Iron Sky der meisterwartete Film der diesjährigen Berlinale. Was an der Mundpropaganda liegen mag, die die grandiosen Trailer losgetreten haben. »In 1945, the Nazis went to the moon. In 2018, they are coming back«, heißt es da, und man sieht im Visier eines Astronauten die Hakenkreuzfahne wehen und einen anderen Astronauten mit dem Hitlergruß salutieren. Die Soldaten fahren in Ledermänteln und Gasmasken mit Motorradgespannen über die Betonpisten des Mondes, und ihre Zentrale haben die Nazis im Stile einer gigantischen Swastika angelegt. Germania war nix dagegen

Die Nazis haben auf der erdabgewandten Seite des Mondes überwintert: so die Ausgangssituation von Iron Sky. Die Legende vom Überleben der Nazis gehört zu den Mythen unserer populären Kultur (in der sie ja sowieso nie tot waren) – Thomas Frickel hat ihnen in seinem Dokumentarfilm Die Mondverschwörung nachgespürt, und wenn Sie »Neuschwabenland« googeln, werden Sie über Nazi-Eisfestungen und Nazi-Ufo-Technologie unterrichtet.

Jetzt aber: das Jahr 2018. Ein amerikanischer Raumfahrer, PR-gerecht auf den Mond geschickt mit dem Slogan »Black to the moon«, wird von den Nazis gefangen genommen und in ihre Basis gebracht. Dort bastelt der Wissenschaftler Doktor Richter (eine Anspielung an Rotwang aus Metropolis) am Flaggschiff einer Invasionsflotte herum, mit der die Nachfahren der »großen vaterländischen Niederlage« wieder die Welt erobern wollen. Nur etwas fehlt, um das große Schiff zum Laufen zu bringen – ein Computer, etwa in Gestalt eines Handys. Und so werden Nachrichtenübermittlungsoberführer Adler (Götz Otto) und seine Verlobte Renate (Julia Dietze) von Führer Kortzfleisch (Udo Kier) auf die Erde zurückgeschickt. Wo sie der amerikanischen Präsidentin, die aussieht wie Sarah Palin, erst einmal beibringen, wie man mit Runen ordentlich PR macht.

Die erste Dreiviertelstunde des Films ist  schönster Nazi-Trash, eine Nummernrevue voller Gimmicks. Den Nazi-Bombast, den Kitsch der Größe, bricht der Film auf eine überdimensionierte, aber primitive Mechanik herunter, unterlegt mit einem pathetischen Soundtrack der slowenischen Band Laibach. Bis zuletzt hat Iron Sky großes Vergnügen daran, das vordigitale Räderwerk der Kriegsmaschinerie zu zeigen. Wie überhaupt die Special Effects dieses Films, dessen 7,5 Millionen Euro Budget durch Crowdfunding zustande kamen, ein exorbitant gutes technisches Niveau besitzen.

Aber vielleicht ist genau das die Krux des Films, dessen zweite Hälfte einen schalen Nachgeschmack hinterlässt. Iron Sky stellt seine production values gerne aus. Was nicht so recht zum Trash passen will. Und er verzettelt sich, in Gefühlen und einer Politsatire. Als endlich dann die »Reichsflugscheiben« und die Raumkreuzer (die aussehen wie gigantische Zeppeline) im vom Führer ausgerufenen »Meteorblitzkrieg« New York angreifen, lassen es Timo Vuorensola und sein Team so richtig krachen, und es ist Schluss mit lustig. Eine gute Dosis mehr Schlingensief hätte Iron Sky gutgetan – anstelle auf den Krieg der Sterne zu setzen.

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