Kritik zu Hinter dem Horizont

© Polygram

1998
Original-Titel: 
What Dreams May Come
Filmstart in Deutschland: 
26.11.1998
L: 
113 Min
FSK: 
12

Eine Reise ins Jenseits. Als Fantasy-Spektakel. Aber die Phantasie bleibt auf der Strecke. Sie wird erstickt in einer computeranimierten Gemäldegalerie. Manches ist optisch reizvoll, aber es bleibt unverbundener, willkürlicher Einfall. Der Bilder-Aufwand macht die Darsteller über weite Strecken zur Staffage und die Story zur Belanglosigkeit

Leserbewertung
2
2 (Stimmen: 1)

Kinderarzt Chris (Robin Williams) hat eine über alles geliebte Ehefrau Annie (Annabella Sciorra), zwei niedliche Kinder, einen pfiffigen Hund und insgesamt ein hübsches Eigenheim. Die Ehefrau ist Gemälde-Restauratorin, Malerin und hat ein lebenslustiges Wesen. Dann aber schlägt das Schicksal unerbittlich zu. Zuerst kommen die beiden Kinder bei einem Unfall ums Leben. Was besonders Annie nur schwer verkraftet. Selbstmordversuch. Dann erleidet auch Chris einen Unfalltod. Und schließlich begeht Annie Selbstmord.

Diese tödliche Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern mosaikweise zusammengefügt. Vor allem aber folgt der Film Chris, der sich nach seinem Tod in jenseitigen Gefilden wiederfindet. In bunt bebilderten Himmeln und Höllen macht er sich auf die Suche nach den geliebten Wesen, die ihm der Tod genommen hat. Für die optische Gestaltung der jenseitigen Gefilde - das ist der Clou des Films - hat sich der neuseeländische Regisseur Vincent Ward von einem Gemälde-Allerlei quer durch die Kunstgeschichte inspirieren lassen.

Der Maler Edvard Munch hat einmal gesagt: "Solange die Kamera nicht dazu taugt, im Himmel oder in der Hölle eingesetzt zu werden, kann sie mit der Palette und dem Pinsel niemals konkurrieren." Vincent Ward dachte sich nun: Nehmen wir all das, was je an Himmeln, Höllen und elegischen Landschaften mit Pinsel und Palette erschaffen wurde und füttern damit den Bild-Computer. So erzeugt er Szenerien mit einer Mixtur aus Caspar David Friedrich, Postkartenkitsch, Breughel und Picture-Dateien. Robin Williams darf darin mit staunenden Augen umherirren. In bunten Blumenwiesen rutscht er auf Ölfarbenklecksen aus. Er fügt seine Silhouette in nebelverhangene Berglandschaften ein, geht an glitzernden Seen spazieren. Gelangt so in einen sehr aparten Hundehimmel. Muß aber auch Höllen durchwandern, über düstere Felder, auf denen ein Arrangement zukkender Leichname ausgebreitet ist. Wenn er dann durch ein wortwörtlich genommenes "Meer von Gesichtern" watet, wird eine unfreiwillige Parodie daraus.

Selbst wenn man sich auf dieses aus Gemälde-Reminiszenzen gebastelte Fantasy-Jenseits einläßt - es bleibt in seiner Beliebigkeit uninteressant. Mal ist es private Vorstellungswelt, Traum und Alptraum, dann eine durch die Liebe geschaffene gemeinsame Welt, und schließlich irgendwie doch eine objektive Jenseitsordnung.

Der Geliebten ins Jenseits nachzugehen, dabei Himmel und Hölle zu durchschreiten, das ist eine aus Mythen, religiösen Vorstellungen und - denkt man an Dantes Suche nach Beatrice - auch ein aus großer Dichtung bekannter Stoff. Hier nun wird er zur Gameboy-Fantasy, in der die Liebe - wie es einmal heißt - "eine Art Energie-Transmitter" ist. 

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