Kritik zu Heart of Light – Eleven Songs for Fiji
In Cynthia Beatts Essayfilm verdichten sich Fiktion und Dokumentarisches zum Porträt der Fidschi-Inseln aus der postkolonialen Perspektive einer sich ständig selbst befragenden Rückkehrerin, gespielt von Tilda Swinton.
Nachdem Ferdinand Magellan Ende des Jahres 1520 mit seiner kleinen Flotte zum ersten Mal die Meerenge zwischen dem südamerikanischen Festland und Feuerland durchquert hatte, erlebte er den damals noch »Südmeer« genannten Ozean in einer außergewöhnlichen Phase der Ruhe. Also gab er dem weitgehend unentdeckten Gewässer den lateinischen Namen »mare pacificum«, »stilles Meer«. »Und seiner war vielleicht der erste der großen Fehler, die die Europäer in diesem Inselmeer begingen«, kommentiert Tilda Swinton gleich in den ersten Minuten von Cynthia Beatts »Heart of Light – Eleven Songs for Fiji« diese Namenswahl.
Um diese großen wie auch die vielen kleinen Fehler der Europäer kreist Cynthia Beatts Essayfilm, der sich in elf »Strophen« genannte Kapitel gliedert. Aber Beatt klagt nicht an. Sie erhebt nicht einmal den metaphorischen Zeigefinger. Diese Art von Pathos ist ihr und ihrem Werk fremd. Sie erzählt von den Fehlern und den Verbrechen des europäischen Kolonialismus in Bildern und Szenen, die ebenso lakonisch sind wie Swintons Tonfall. Ihr unaufgeregter, meist einfach beobachtender und gelegentlich auch fragender Blick lädt zu Kontemplation und vor allem zur Reflexion ein.
Im Zentrum von »Heart of Light« steht eine Rückkehr. Zunächst ist die von Tilda Swinton verkörperte Iona nur als Stimme im Voiceover präsent. In den späteren Strophen tritt sie dann auch direkt auf. Iona hat wie ihre Schöpferin Cynthia Beatt einen Teil ihrer Kindheit und Jugend auf einer der Inseln Fidschis verbracht. Sie ist dort zur Schule gegangen und hat all die Privilegien genossen, die den Weißen, den Europäerinnen und Europäern, dort in den 1950er und -60er Jahren zuteilgeworden sind. Privilegien, die ihr damals gar nicht bewusst waren und die sie nun bei ihrer Rückkehr Jahrzehnte später fortwährend erinnert und analysiert.
Swintons Iona fungiert dabei nicht nur als ein fiktives Alter Ego der Filmemacherin. Gerade in den ersten Strophen von »Heart of Light«, in denen nur ihre Stimme zu hören ist, wird sie zu einer Identifikationsfigur für das Publikum. Ihre Worte hallen in unseren Köpfen und Gedanken nach. Sie sind der Rahmen, der Jenny Lou Ziegels dokumentarischen Filmbildern Raum für Resonanzen verschafft. Beatt und Ziegel fangen die Schönheit Fidschis auf eine Weise ein, die nichts mit Postkartenmotiven oder anderen Formen exotischen Kitschs gemein hat. Sie zeigen vielmehr die Schönheit einer Natur, die beharrlich gegen die sie bedrängende und einhegende Zivilisation ankämpft.
Iona und auch zwei andere Europäer, der Musiker Simon Fisher Turner und ein von Peter Knaack gespielter Journalist, bewegen sich als Suchende und Fragende über die Inseln. Sie bleiben offen für Begegnungen und hören zu. Diese Zurückhaltung, diese gelebte Demut ist Beatts Antwort auf den europäischen Kolonialismus, auf seine ungeheuerliche Anmaßung ebenso wie auf die Wunden, die er bis heute zurückgelassen hat. So entsteht aus Gesprächen und Beobachtungen ein Bild des Lebens auf den Fidschi-Inseln, das das Erbe des Kolinalismus in seiner ganzen Komplexität einfängt und simplen aktivistischen Positionen eine Wirklichkeit entgegenstellt, deren Widersprüche sich nicht durch Parolen auflösen lassen.





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