Kritik zu Guns Akimbo

© Leonine Distribution

Das Internet als Ort der fantastischsten Gladiatorenkämpfe: Der Neuseeländer Jason Lei Howden möchte rasantes Actionkino ohne Tabus bieten und gleichzeitig auf die falsche Lust an der Gewalt hinweisen

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Dem Schwerstkriminellen Riktor reicht es nicht, seine Opfer zu quälen. Er muss sie immer auch noch belehren. So verkündet er einem korrupten Polizisten, dass Töten eine Kunst sei, um ihn dann mit einem Kopfschuss hinzurichten. Blut und Gehirnmasse verteilen sich zu einem abstrakten Muster an der Wand, genauso wie die Farben auf der Leinwand bei einem Gemälde von Jackson Pollock. Und damit das auch keiner übersieht, spricht Riktor es natürlich voller Stolz aus.

Wie fast jede Szene in Jason Lei Howdens Actionspektakel »Guns Akimbo« kommt auch dieser Moment mit einem geradezu ausgestellten Augenzwinkern daher. Das alles ist nicht ernst gemeint. Noch die exzessivsten Gewaltorgien, die Howden hier zelebriert, sind selbstverständlich Satire. Der Film gibt vor, eine gänzlich verrohte Gesellschaft, in der es nur so von Gewaltfetischisten wimmelt, vorzuführen. Deswegen streut er immer wieder kurze Szenen von Menschen, größtenteils Männern, ein, die sich an den Online-Liveübertragungen der mörderischen »Skizm«-Zweikämpfe ergötzen.

Diese Brot-und-Spiele-Mentalität des Menschen ist zwar nichts Neues. Aber das Internet bietet neue Möglichkeiten für moderne Gladiatorenkämpfe. So können nun gleich Millionen dabei zusehen, wie der eher verschlafene Computerspiel-Programmierer Miles (Daniel Radcliffe) unfreiwillig gegen die White-Trash-Amazone Nix (Samara Weaving) um sein Leben kämpft. Er hatte den Fehler begangen, die »Skizm«-Fangemeinde im Netz zu trollen. Darauf haben ihm Riktor und seine Schergen einen Besuch abgestattet und ihn mit mit riesigen Metallschrauben an seinen Händen befestigten Pistolen ausgestattet. Zweimal 50 Schuss hat er zur Verfügung, um sich gegen Nix zur Wehr zu setzen.

Wie das Regieduo Neveldine/Taylor, das einst mit den beiden »Crank«-Filmen und mit »Gamer« die Grenzen des Actiongenres noch einmal verschoben hatte, träumt auch der neuseeländische Filmemacher Jason Lei Howden von einem gänzlich entfesselten Kino. Stefan Ciupeks Kamera gleitet wie schwerelos über die Schlachtfelder, in die Nix und Miles verlassene Industrieanlagen und Büroräume verwandeln. Das Tempo ist enorm, und trotzdem bleibt Zeit, mit Blut zu malen. Doch anders als die Filme von Neveldine/Taylor, die sich in surreale Trips verwandeln, kann »Guns Akimbo« niemals mit der Beweglichkeit seiner Bilder mithalten. Dafür trägt Howden zu dick auf.

Die Actionszenen brechen unter der Last der Erklärungen und Distanzierungen zusammen, die Howden immer gleich mitliefert. Auf der einen Seite soll man(n) seinen Spaß an der Ultrabrutalität der Szenen haben. Auf der anderen wird man ständig daran erinnert, wie falsch unsere Lust an der Gewalt doch ist. Diese innere Zerrissenheit des Films könnte durchaus reizvoll sein, erzählt sie doch viel über den Zustand der Popkultur. Nur wirkt »Guns Akimbo« verlogen, sobald er moralische Töne anschlägt. Howdens Inszenierung fehlt einfach die Tiefe, die seine Doppelstrategie erfordert. Von der intendierten Komplexität bleibt nicht mehr übrig als ein opportunistischer Versuch, es allen recht zu machen.

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