Kritik zu Guardians of the Galaxy

© Walt Disney

Ein verwaister Eigenbrötler im weiten Weltall auf der Jagd nach einer Superwaffe – wer würde da mehr als Sommerunterhaltung für die Nerdfraktion vermuten? Für die neueste »Space Opera« aus dem Hause Marvel spricht, dass sie sich selbst erfreulich wenig ernst nimmt

Bewertung: 3
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3.4
3.4 (Stimmen: 5)

Ob Spider Man oder Fantastic Four, Mutant oder Gott: Die gebeutelten Außenseiter retten immer wieder die Welt. Doch die gibt es in Guardians of the Galaxy eigentlich nicht mehr. Über Superkräfte verfügen die fünf Haudegen, ein eher unbekanntes Quintett aus der zweiten Reihe des Marvel-Universums, auch nicht wirklich. Nicht viel scheint also für diese opulente Materialschlacht zu sprechen, die aber trotz berechtigter Vorbehalte ihre Momente hat.

Schon das Intro ist nicht ganz uninteressant. Der etwa zwölfjährige Peter muss sich am Sterbebett von seiner Mutter verabschieden. Die visuell beklemmende Szene endet damit, dass der trauernde Junge von einem aus dem Nichts kommenden Staubsauger, schwupps, mitten hinein ins intergalaktische Chaos gesogen wird: So funktionieren Comics. Nach einem Zeitsprung von etwa zwanzig Jahren durchstreift der junge Mann, inzwischen ein einzelgängerischer Draufgänger, die Ruinen einer untergegangenen Zivilisation, irgendwo am Ende des Universums. Ausgerüstet ist er mit technischen Spielzeugen, darunter ein virtueller Raumhelm, der nach Bedarf eine materielle Form annimmt. Wird es ungemütlich, dann verteidigt er sich mit einem elektrischen Lasso.

Sein wichtigstes Utensil ist jedoch stilvolles Lowtech: ein echter Walkman, kein CD-Spieler und auch kein MP3-Player, sondern ein tragbarer Kassettenrekorder, wie vom Flohmarkt. Das Tape, das Peter darauf abspielt, enthält die Lieblingslieder seiner Mutter, darunter stilvolle 70er-Jahre-Hits von 10cc und David Bowie. Der Kopfhörer bindet den Helden mittels einer akustischen Nabelschur an die Verstorbene. Mit dieser Mischung aus Retro und futuristischer Gagatechnik erinnert der Held weniger an Luke Skywalker als an einen galaktischen Verwandten von Jack Sparrow.

Eine Anmutung von Handlung gibt es in dem Film, der eigentlich mehr einem zweistündigen 3D-Videoclip ähnelt: Durch Zufall gelangt Peter in den Besitz einer »mysteriösen Superwaffe« (Presseheft), hinter der auch einige intergalaktische Freibeuter her sind. Um dieses gefährliche Ding zu entschärfen, verbündet er sich mit einem aggressiven Waschbären und einem sprechenden Ast. Wenn die Gefährten gemeinsam von Kampfszene zu Kampfszene stolpern, dann hat die CGI-Abteilung alle Hände voll zu tun. Der Filmabspann verzeichnet eine nicht enden wollende Liste von Programmierern und IT-Sezialisten.

Nach dem überdrehten Iron Man versucht Marvel offenbar wieder, die Grenzen neu auszuloten. Trotz erheblichen Aufwandes hat diese wilde Space Opera eine ziemlich trashige Anmutung. Dazu passt, dass Chris Pratt einen demonstrativ uncharismatischen Helden verkörpert, dessen Charakter hinter seinen Spielzeugen fast völlig verschwindet. Blutig ist die Raumschlacht nicht wirklich, hat aber einen beachtlichen Bodycount. Alles in allem ist Guardians of the Galaxy eine Melange aus ausgesuchten Belanglosigkeiten. Am Ende bleibt der Eindruck, als sei der Camp-Aspekt irgendwie schon mitgedacht.

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