Kritik zu Groupies bleiben nicht zum Frühstück

© Walt Disney

2010
Original-Titel: 
Groupies bleiben nicht zum Frühstück
Filmstart in Deutschland: 
16.09.2010
L: 
103 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Die richtige Balance aus Ironie und Rührung: Marc Rothemund versucht sich im Teeniekomödiengenre und erzählt auf interessante Weise gewendet eine »Einfaches Mädchen trifft Popstar«-Geschichte voller Berlinflair

Bewertung: 3
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Kein Junge wird je ganz ergründen, was Mädchen meinen, wenn sie die Lippen entzückt spitzen und irgend etwas (ein Popstarposter, einen real existierenden Jungen, einen bunten Schnürsenkel) »süß« nennen. Aber zweifelsfrei verdient Marc Rothemunds Feelgood-Sommerkomödie das »Richtig süß«-Prädikat. Erzählt wird die Romanze vom sympathischen Mädchen von nebenan, das sich in einen netten Jungen verliebt, ohne zu ahnen, dass es sich um einen Top-Popstar handelt. Rothemund packt die Story bei den pointenträchtigen Hörnern, bedient einerseits das auf »bravosüchtige Kreischteenies« abzielende Genre und geht doch mit derart ironisch-satirischem Elan zu Werke, dass auch Nichtteeniezuschauer ihr Vergnügen haben.

Besonders süß: Lila, die siebzehnjährige Heldin der Geschichte. Anna Fischer verleiht ihr die Konturen des derzeit angesagtesten Mädchentyps. Ihre Lila erscheint wie die kleine Schwester von Nora Tschirner oder Lena Meyer-Landrut, verfügt also über hinreißenden Natürlichkeitscharme, zeigt sich allezeit schlagfertig, bodenständig und mit Wangengrübchen beim Lächeln. In der allerersten Szene, beim Rückflug von Texas, wo Lila ein Jahr als Austauschschülerin verbrachte, sinkt sie ihrem Nachbarn auf die Brust: schlafend, schnarchend und sabbernd. Wie süß: Lila schnarcht – auch wenn sie später mit ihrem Popstarprinzen Chriz (Kostja Ullmann), Frontmann der Top-of-the-Pops-Band Berlin Mitte, im Luxusbett des Luxushotels am Potsdamer Platz liegen wird.

Archetypisch gesehen, folgt die Story einer invertierten Aschenputtellogik. Wichtig ist nicht so sehr, dass das Mädchen von nebenan in der Luxuswelt landet, sondern dass sie den Star aus seinem Prominenzgefängnis, das ihm kein Privatleben gönnt, erlöst. Die Starsphäre mit Fan-Hype, giftigen Managern und Poparena- Auftritt kriegt Rothemund hinreichend glaubwürdig hin, aber man spürt, dass er sich viel lieber im Dreiweiberhaushalt in Berlin-Schöneberg (Lilas Mutter ist verwitwete Zahnärztin und hat einen zehn Jahre jüngeren Lover, ihre dreizehnjährige Schwester ist bezaubernd zickig) aufhält oder in der Schulklasse von Lila. Da zeichnet er noch die kleinsten Nebenfiguren mit Hingabe und Sympathie. Der Mathelehrer wird nicht einfach vertölpelt, sogar das Feindbild der vier blondierten Paris-Hilton-Klone erhält eine hübsche Überdrehtheit, vor allem Lilas beste Freundin Nike (Nina Gummich) wird zur komödiantisch überzeugendsten Figur ausgeformt.

Marc Rothemund beherrscht nicht nur Komödientöne (»Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Grossstädter zur Paarungszeit«, »Harte Jungs«), er kann sich auch psychologisch präzise einfühlen (»Sophie Scholl – Die letzten Tage«). Beides wird hier in einer schönen Mischung aus Parodie und Figurensympathie spürbar, auch wenn manche Passagen nur der Formelerfüllung dienen und Standards (von den Fotomatfotos der Frischverliebten bis zu »Notting Hill«-Reminiszenzen) abhaken. Es gibt genügend originelle Einfälle (herrlich: die Seniorenbootsfahrt auf der Spree) und ein munteres Spiel mit den Genremustern, das sich selbst gekonnt auf den Arm nimmt.

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