Kritik zu Gregs Tagebuch – Von Idioten umzingelt

© 20th Century Fox

2010
Original-Titel: 
Diary of a Wimpy Kid
Filmstart in Deutschland: 
16.09.2010
L: 
93 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Vom harten Leben eines Elfjährigen, dessen Versuche, beliebt zu werden, sich allesamt als Fehlschläge erweisen. Thor Freudenthal hat Jeff Kinneys beliebte Buchreihe mit Comiczeichnungen verfilmt

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Als Elfjähriger tritt Greg Heffley ein in die Welt der Junior High School, der Mittelschule, wo die unbeschwerte Kindheit dem Streben nach Anerkennung weicht. Es ist eine Welt voller Hierarchien, und Greg hat sich zum Ziel gesetzt, auf der Beliebtheitsskala ganz oben zu landen. Doch das ist nicht so einfach, wenn man im Sportunterricht bei der Mannschaftswahl regelmäßig als Letzter ausgewählt wird und in der Cafeteria nicht am Tisch sitzen darf, sondern seine Mahlzeit auf dem Fußboden sitzend einnehmen muss. Gut, dass ihm dabei immerhin Rowley und Fregley Gesellschaft leisten. Rowley ist Gregs bester Freund, etwas übergewichtig zwar, der sich aber – im Gegensatz zu Greg – so akzeptiert, wie er ist und deshalb ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln kann; Fregley ist der typische bebrillte Nerd.

Zu Hause sieht sich Greg zwischen seinem älteren Bruder Roderick, der ihm oft fiese Streiche spielt, und dem dreijährigen Manny, der noch als »süß« gilt und sich deshalb vieles erlauben darf. Doch überwiegend handelt die Geschichte von Gregs Versuchen, in der Schule auf der Beliebtheitsskala zu punkten. Vielleicht, indem er sich für das Ringerteam anmeldet? Dass das nach hinten losgeht, weiß er spätestens, wenn er von Fregley und dem Mädchen Patty gleichermaßen auf die Matte gelegt wird. Auch die Verpflichtung als Schulweghelfer und die Teilnahme an der Schulaufführung vom »Zauberer von Oz« (wo er einen der Bäume spielt) erweisen sich als Fehlschläge. Und dann ist da noch das Geheimnis um die Käsescheibe, die seit Urzeiten auf dem Schulhof liegt, von Tag zu Tag mehr verrottet und entsprechend unheimlicher aussieht: Wer sie berührt, der wird zum Aussätzigen.

»Gregs Tagebuch« basiert auf dem gleichnamigen Comic-Roman von Jeff Kinney, dessen vierter Band in diesem Frühjahr auch auf Deutsch erschien. Auch wenn der erste Band fast drei Jahre lang auf der Kinderbuch-Bestsellerliste der »New York Times« stand, spricht er doch auch Erwachsene an, die sich angesichts von Gregs Erfahrungen und Gedanken nur allzu gut an ihre eigene Kindheit erinnern können.

Die Gedankenwelt seines Protagonisten zu einfachen, lakonischen Sätzen zu verdichten, das gelingt Kinneys Büchern gut. Zudem liegt ihr Witz aber auch in den zahlreichen Zeichnungen, die verzerrte Körperproportionen (wie die Schlaksigkeit von Greg) und Überspitzungen (wie den fortwährend offen stehenden Mund von Rowley) wiedergeben. Gerade weil der Film mit den gezeichneten Figuren von Jeff Kinney beginnt und diese auch später einsetzt, wird nicht nur dem Leser der Bücher die Differenz schmerzhaft bewusst – denn mit diesen Personen, die die Freiheit des Nichtrealistischen atmen, haben die Schauspieler erst einmal nichts gemein. Der Sprachwitz von Kinney wurde zwar in den Film hinübergerettet, aber ein Animationsfilm hätte den Geist der Vorlage sicher besser erfasst.

Von Regisseur Thor Freudenthal, der schon mit seinem vorangegangenen Film »Hotel for Dogs« bewiesen hat, dass er auf Augenhöhe seiner kindlichen Protagonisten erzählen kann, hat man sich mehr versprochen.

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