Kritik zu Frisch gepresst

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Das gleichnamige erfolgreiche Romandebüt der Journalistin Susanne Fröhlich erschien 1998. Fast fünfzehn Jahre später nehmen nun die Produktionsfirmen Ziegler Cinema und Buena Vista den Bestseller zur sehr freien Vorlage für einen Spielfilm

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Aus dem humoristisch gemeinten originalen Bericht einer Erstlingsmutter aus der Entbindungsstation ist in der Verfilmung des Bestsellers »Frisch gepresst« nur das Standardgerüst der klassischen Romantic Comedy (Modell: bindungsunwillige Frau zwischen zwei Männern) und die Sturzgeburt am Ende geblieben. Aufgefüllt wurde der Plot um die ungewollte Schwangerschaft der bewusst ungebundenen Dessous-Designerin (ach, die Filmberufe . . . ) Andrea (Diana Amft) mit komödiantischen Standardsituationen. Natürlich kommen als Vater zwei höchst gegensätzliche Männer infrage: Ein reicher Macho mit Roger-Federer-Charme (Alexander Beyer) und der biedere engagierte Anwalt Chris (Thomas Wlaschiha). Raten Sie mal, wie das ausgeht . . . Beide Männer sind ebenso reizlose Schablonen wie die Heldin selbst, die sich nackt auf einem Flokati im Flur räkelt, um ihr Sexualleben anzuheizen. Einzig interessante Figur ist Andreas Kollege Helgo (Sylvester Groth), der sogar ein wenig Charakter zeigen darf. Wäre er nicht perfekt als im Hinterhalt lauernder (und lachender) Dritter? Doch für solche Wendungen ist Frisch gepresst viel zu brav – und arbeitet sich stattdessen seeeeeehr langsam dem befürchteten Ende entgegen.

Am prägnantesten illustriert die von Oliver Pocher als Witzfigur gegebene Randfigur eines Berliner Punks den Spießerhumor, der hier wabert. Dass auch die Kölner Nutten berlinern, lässt sich vielleicht durch die Koförderung des Medienboards Berlin-Brandenburg erklären. Brocken hat die Produktion auch von DFFF, FFA und der Filmstiftung NRW (hier allein 700.000 Euro) eingesammelt. Böse könnte man das als beflissene Unterstützung staatlicher Geburtenpolitik verstehen. Denn Frisch gepresst geriert sich zwar als offener Beitrag zur Identitätssuche junger Frauen, lässt seiner Erzähllogik nach aber von vornherein nur eine einzige Lösung zu. So ist der Film am Ende nur ein langweiliges Propagandastück zum Kinderkriegen – Kristina Schröder kann danken

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