Kritik zu Fenster zum Sommer

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Zurück in die Zukunft oder: Wie treffe ich meinen Traummann noch einmal? Hendrik Handloegten (Paul is dead, Liegen lernen) hat den Roman von Hannelore Valencak von 1967 verfilmt – mit Nina Hoss

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Juliane ist aus der Zeit gefallen. Doch anders als John Connor in The Terminator wird sie nicht von einem Cyborg-Stalker verfolgt, und sie muss auch nicht die Welt retten, sondern nur ihr eigenes Leben. Im Grunde hat sie es noch schlimmer erwischt: im sommerlichen Traumurlaub mit jenem Mann, in den sie grade frisch verliebt ist, schläft sie ein und erwacht auf kafkaeske Weise dort wieder, wo niemand tot über dem Zaun hängen möchte: in Berlin, im Winter.

Das fröstelnde Unbehagen inmitten von Schneematsch und unfreundlichen Menschen überträgt sich auf den Zuschauer, der wissen will, ob und wie diese Frau dem falschen Film wieder entkommt. Juliane befindet sich in ihrer eigenen Vergangenheit, die sie vor einigen Wochen schon einmal durchlebte, und zwar mit dem ungeliebten Exfreund Philip, mit dem sie zehn quälende Jahre verbrachte. Für ihn ist alles so wie immer, er drängt Juliane, sich zu beeilen, schließlich habe man an diesem schmuddeligen Morgen den Termin für die Wohnungsbesichtigung. Dabei bemerkt Juliane, dass sie jeden einzelnen Satz, der gesprochen wird, bereits kennt: Muss sie nun tatsächlich den ganzen Käse, diese düstere deutsche Beziehungskiste, wie in einem schlechten Theaterstück noch einmal durchkauen?

Die Geschichte basiert auf dem Roman »Zuflucht hinter der Zeit« von 1967. Darin beschreibt die Schriftstellerin Hannelore Valencak das beklemmende Gefühl einer Frau in einer Todesschleife. Wäre es der Ausweg, wenn sie als »Mensch ärgere dich nicht«-Figur die Strafrunde ihres Lebens detailgenau wiederholte? Oder ist die depressive Gewissheit darüber, dass alles vorherbestimmt ist, nicht der eigentliche Horror?

Bei der Aktualisierung dieses Plots zeigt Handloegten nicht immer eine glückliche Hand. Streckenweise ist sein Film durchaus schön anzusehen, es gelingen atmosphärische Bilder vom Traumurlaub in Finnland, und auch die Dramaturgie läuft zunächst wie geschmiert. Nina Hoss spielt eine Frau, die einer stagnierenden Beziehung und ihrem offenbar öden Job zu entkommen versucht. Aber was möchte sie eigentlich? Sie will zurück in die Zukunft. Da jedoch der magische Moment, in dem sie ihre große Liebe ein zweites Mal kennenlernen wird, mit dem tragischen Unfalltod ihrer Busenfreundin Emily koinzidiert, sind ihre Bemühungen höchst ambivalent. Das klingt eigentlich recht spannend, doch die filmische Umsetzung ist mehr am manieriert verschachtelten Plot als an den Figuren interessiert. Nina Hoss spielt eine Frau, die irgendwie »das Weibliche« verkörpern soll, dabei aber ungreifbar und statuarisch bleibt. Handloegten erzählt zwar aus ihrer Sicht, doch sein Film kreist um eine gefühlte Leere.

Quirliger erscheint Fritzi Haberlandt in der Rolle ihrer besten Freundin. Doch die muss leider sterben, damit Juliane wie die Jungfrau zu deren Kind kommt. Zum Happy End dieses Parcours, einer Variante von Lola rennt, hat Juliane den Traummann ein zweites Mal erobert und ist glücklich in Finnland. Allein der Zuschauer bleibt gefühlsmäßig zurück in Berlin, im Winter.

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