Kritik zu The F-Word – Von wegen gute Freunde!

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Daniel Radcliffe und Zoe Kazan erproben das bewährte Romcom-Konzept von zweien, die zuerst beste Freunde spielen, bevor sie ein Liebespaar werden

Bewertung: 2
Leserbewertung
2.5
2.5 (Stimmen: 2)

Meine Güte, können die beiden sich nicht ein bisschen weniger zieren? Dem Offensichtlichen ins Auge sehen? Zur Sache kommen? Dann müsste sich dieser Film auch nicht über 102 Minuten hinziehen oder könnte nach 15 Minuten dazu übergehen, eine ganz andere, womöglich interessantere Geschichte zu erzählen.

Klar, wenn zwei Menschen am Anfang eines Films beschließen, nichts miteinander anzufangen, dann ist das ein sicheres Indiz dafür, dass sie am Ende zusammen sein werden, was nur in diesem Fall weder sonderlich romantisch noch komisch ist. Darum weckt The F-Word – Von wegen gute Freunde vor allem schmerzliche Erinnerungen an bessere romantische Komödien über zwanghafte Liebesvermeidung, von Harry und Sally bis Freunde mit gewissen Vorzügen. Im Wesentlichen liegt das daran, dass zwischen Daniel Radcliffes Harry Potter-Appeal und Zoe Kazans verspieltem Ruby Sparks-Charme keinerlei Funken fliegen. Radcliffe wirkt wie ein Fremdkörper in der Welt des kanadischen Komödienregisseurs Michael Dowse mit seinen auf liebenswerte Weise unanständigen Helden. Weshalb sich die Aufmerksamkeit des Zuschauers dann auch relativ schnell auf einen Nebenschauplatz verlagert, die ungleich spritzigere Liebesgeschichte, die Radcliffes lässig lebenslustiger Sidekick Allan (Adam Driver) mit einer neuen Flamme Nicole (Mackenzie Davis) beginnt.

Daniel Radcliffe spielt den reichlich scheuen Medizinstudiums-Abbrecher Wallace, der sich schwer unter Liebeskummer leidend nur unter dem Druck seines besten Freundes auf eine Party geschleppt hat. Dort trifft er eine zauberhafte Frau namens Chantry (Zoe Kazan), mit der sich ein Nachrichtenaustausch via Kühlschrankmagnetbuchstaben ergibt, der nach allen Regeln der Liebe der Anfang eines wunderbaren Flirts sein müsste. Da sie aber bereits liiert ist und er noch seiner Verflossenen nachtrauert, werden sie stattdessen eben beste Freunde, worauf sich das pseudoanzügliche F-Wort im Titel bezieht.

Von nun an hält das Drehbuch allerlei umständlich konstruierte Situationen bereit, um die Sittsamkeit der beiden auf die Probe zu stellen. Egal ob sie halbnackt gemeinsam in eine Umkleidekabine gezwängt sind oder ihnen am Strand beim Baden die Kleider geklaut werden, sie bleiben standhaft, was so unwahrscheinlich wie langweilig wirkt. Während der Film überdeutlich demonstriert, dass die alternativen Partner garantiert die falschen sind, behauptet er wenig glaubwürdig, dass die beiden füreinander geschaffen seien. Der ganze Unsinn kulminiert dann darin (Spoiler Alert), dass Wallace seiner platonisch Angebeteten irgendwann doch endlich seine Liebe gesteht, was diese aber nicht etwa dahinschmelzen, sondern verhärten lässt, weil sie ihn des lügnerischen Verrats bezichtigt. Was bleibt, ist eine hübsche Sightseeing-Tour durch Toronto, das sich im Gegensatz zu den beiden Helden hier einmal nicht verstellen muss wie in all den amerikanischen Filmen, in denen es sonst als kostengünstiges Double von New York herhält.

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