Kritik zu Erzählungen eines Kinogehers – Werner Dütsch

- kein Trailer -

2025
Original-Titel: 
Erzählungen eines Kinogehers – Werner Dütsch
Filmstart in Deutschland: 
18.06.2026
L: 
95 Min
FSK: 
Ohne Angabe

Die auf einem langen Gespräch basierende biografische Doku über den 2018 verstorbenen Filmredakteur und Produzenten Werner Dütsch erzählt auch von einer Epoche, in der Fernsehen noch Ambitionen hatte

Bewertung: 4
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Von konservativer Seite in den siebziger Jahren als »Rotfunk« attackiert, bot der WDR seinerzeit aufregende Programme, Unterhaltungssendungen wie die Samstagabendshow »Wünsch Dir was«, das medienkritische »Glashaus« oder Fernsehfilme und -serien, die bundesdeutsche Arbeitswelten in den Mittelpunkt rückten, etwa Fassbinders »Acht Stunden sind kein Tag«. Für Cineasten ebenso wichtig waren die Filmreihen und filmhistorischen Sendungen, die die Spielfilmredaktion des Dritten Programms verantwortete, darunter die »Creature from the Black Lagoon«-Reihe, erfreulicherweise durch die »Jack Arnold erzählt«-Gespräche vertieft. Zur Filmredaktion des WDR gehörte auch Werner Dütsch, dessen Arbeit dieser Film würdigt, in Gestalt eines langen Gesprächs, das die Filmemacherin Christiane Büchner 2018 führte. Werner Dütsch starb am 5. Dezember 2018.

Chronologisch aufgebaut, beginnt der Film mit frühen Film- und Kinoerfahrungen (»Jedes Kino roch anders«). Für Dütsch war das Kino »eine Heimlichkeit« – Geld gaben ihm seine Eltern für deutsche (Familien-)Filme, für ihn aber waren ausländische attraktiver. Details blieben im Gedächtnis, »Szenen, die nicht unbedingt auf den Fortgang der Handlung gerichtet waren«, wie er sagt. Als Mitglied eines Filmclubs konnte er die Möglichkeiten des Gesehenen erweitern, etwa bei der jährlichen Verbandstagung, wo zur Retrospektive seiner Filme Ende der sechziger Jahre Josef von Sternberg persönlich erschien. Dütsch präsentiert auch seine ersten Filmbücher, das wichtigste: Lotte H. Eisners »Die dämonische Leinwand«: »Weil es von Filmen sprach, die man nicht sah«, die Klassiker des deutschen Stummfilms.

In Berlin arbeitet er für die Stiftung Deutsche Kinemathek, damals noch in einem kleinen Büro untergebracht, bis er nach Köln zum WDR kommt, in die Kulturabteilung. Nach Lektüre eines Textes von Enno Patalas über Ernst Lubitsch gibt er ihm die Möglichkeit für ein Lubitsch-Porträt – der Beginn filmkritischer Sendungen im WDR, die von Anfang an genau hinschauen, Bilder und Töne trennen. Christiane Büchners Film greift das auf: Filmausschnitte sind nur im Ton präsent, während die Filmbilder durch Zeichnungen ersetzt sind. Was mit dem kostspieligen Rechteerwerb zu tun haben mag, passt hervorragend zu Dütschs Arbeit.

Nach Auflösung der Abteilung Kultur wurde Dütsch mehr und mehr zum Produzenten, vor allem dokumentarischer Filme – darunter Hartmut Bitomskys vierstündiger »Highway 40 West« und Günter Peter Strascheks Mehrteiler »Filmemigration aus Nazideutschland« –, auch von Arbeiten unabhängiger US-Regisseure. Nach seiner Pensionierung kam Dütsch als Dozent an die Kölner Kunsthochschule für Medien – aus einem Lehrauftrag wurden 23 Jahre.

Am Ende des Films ordnet Dütsch seine Arbeit in ihre Epoche ein, eine Zeit, als das Filmerlebnis noch kostbar war, weil es eine Einmaligkeit hatte. Ein nur in einer Frage von der Filmemacherin erwähntes Buch von Werner Dütsch, »Im Banne der roten Hexe. Film als Lebensmittel«, 2016 erschienen und derzeit nur noch antiquarisch erhältlich, sei hiermit nachdrücklich zur Lektüre empfohlen.

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