Kritik zu Erschütternde Wahrheit

© Sony Pictures

Will Smith spielt einen Arzt, der die gefährlichen Sportverletzungen von Footballspielern öffentlich macht

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Die Sehnsucht scheint im amerikanischen Kino derzeit groß zu sein nach wackeren, aufrechten Helden. Und zwar nicht nur nach solchen, die irgendwelchen Comicvorlagen entsprungen sind und nach ein paar Runden durchs Marvel-Universum dazu übergehen, sich gegenseitig zu vermöbeln, sondern auch ehrenwerte Wahrheitsfinder, wie sie im viel gelobten Kino der 70er Jahre an der Tagesordnung waren. Meist sind es ganz klassisch investigative Journalisten, die diese Funktion übernehmen. Doch in »Erschütternde Wahrheit« ist es nun erst einmal ein Arzt.

Ganz genau genommen handelt es sich bei Dr. Bennet Omalu (Will Smith) um einen Pathologen aus Nigeria, der mit einem US-Visum ausgestattet in Pennsylvania arbeitet, wo 2002 eher zufällig die Leiche eines einst gefeierten Footballspielers von den Pittburgh Steelers auf seinem Tisch landet. Der desolate Zustand und frühe Tod des Sportlers wecken seine professionelle Neugier, und bald kommt Omalu zu dem Schluss, dass der Tote aufgrund seines Sports einen schweren Hirnschaden erlitten haben muss, der zunächst seine Persönlichkeit veränderte und schließlich tödlich endete. Von Ehrgeiz gepackt und mit Unterstützung von seinem Vorgesetzten (Albert Brooks) und einem ehemaligen Mannschaftsdoktor (Alec Baldwin) recherchiert er weiter und stößt schnell auf viele ähnliche Fälle. Doch natürlich dauert es auch nicht lange, bis die NFL (National Football League) und ihre Anhänger dem Arzt bei seiner Suche nach der Wahrheit Steine in den Weg legen.

Das Thema der gesundheitlichen Folgen von Football auf die Spieler wird in den USA seit einigen Jahren viel diskutiert. Wie zeitgemäß »Erschütternde Wahrheit« und seine Thesen über Schädel-Hirn-Verletzungen bei Sportlern sind, zeigen einige heftig geführte Debatten, die den Kinostart begleiteten. Natürlich macht Regisseur und Drehbuchautor Peter Landesman (»Parkland«), dem das Sachbuch »Game Brain« von Jeanne Marie Laskas als Vorlage diente, keinen Hehl daraus, auf wessen Seite er die im Deutschen titelgebende Wahrheit verortet. Die Gelddruckmaschine NFL, die Profit über Gesundheit stellt, ist es jedenfalls nicht. Dabei kann er sich auf einen überzeugenden Mitstreiter verlassen: Will Smith war womöglich seit »Ali« nicht mehr so gut wie in diesem Film und zeigt Omalu (der inzwischen übrigens als Professor in Kalifornien lehrt) ohne Frage als modernen Helden, ohne auf Verklärung zu setzen.

Umso bedauerlicher, dass es Landesman vor lauter aufrichtigem Engagement und wissenschaftlichen Fakten nie gelingt, Konventionen wie das pathetische Beschwören amerikanischer Werte hinter sich zu lassen. Oder auch nur die Liebesgeschichte mit Omalus späterer Frau (Gugu Mbatha-Raw) stimmig und nachvollziehbar mitzuerzählen. So bleibt »Erschütternde Wahrheit« letztlich leider etwas zu brav, anständig und solide, als dass er wirklich bezwingend die Wut oder Empörung auszulösen könnte, die diese wahre Geschichte verdient hätte.

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