Kritik zu Ein königlicher Tausch

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Nach »The Favourite« und »Maria Stuart« folgt ein weiteres Königsdrama mit starken weiblichen Hauptfiguren: Marc Dugains so zurückhaltende wie berührende Verfilmung eines Prinzessinnentauschs im Jahr 1721

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Auf zahlreiche historische Quellen wie Briefe der Beteiligten konnte sich die Historikerin Chantal Thomas für ihren Roman »L'échange des princesses« beziehen, und nah an den Fakten bleibt auch Marc Dugain bei seiner filmischen Adaption jener Episode aus dem Jahr 1721, in der Kinder wie Spielfiguren auf dem politischen Schachbrett verschoben wurden: Noch bevor der gerade mal elfjährige Ludwig XV., Thronfolger des verstorbenen »Sonnen­königs«, selbst zum König gesalbt wird, fädelt sein Vormund Philipp von Orléans eine Doppel­hochzeit ein, um den Frieden zwischen Frankreich und Spanien zu sichern. Ludwig soll die vierjährige spanische Infantin Maria Anna Victoria ehelichen. Im Gegenzug soll die Tochter des Regenten, Louise Elisabeth d'Orléans, zwölf Jahre alt, mit dem vierzehnjährigen spanischen Thronfolger Don Luis verheiratet werden. Was die Betroffenen davon halten, ist selbstverständlich irrelevant.

Marc Dugain, selbst nicht nur Filmemacher, sondern auch Schriftsteller, inszeniert diesen Handel und seine Folgen mit eleganter Zurückhaltung und einem scharfen Blick für Details. Sein Film ergeht sich nicht in der Zurschaustellung prächtiger Dekors und Kostüme, obwohl er mit opulenten Bildern nicht geizt und die höfischen Rituale mit verschmitztem Humor nachbildet, der stets unseren heutigen Blick auf solche Bräuche mitdenkt.

Das Hauptaugenmerk des Films liegt auf den vier jungen Hauptfiguren, insbesondere auf den beiden Mädchen, die als Fremde, genau genommen als politische Geiseln, in einer ungewohnten Umgebung und als Zielscheiben höfischer Intrigen bestehen müssen und völlig unterschiedlich mit dieser Rolle umgehen. Die kleine spanische Infantin geht offenen Herzens auf die Franzosen zu und gewinnt sie mit ihrem Charme. Louise Elisabeth hingegen ist ganz der pubertäre Trotzkopf und provoziert den spanischen Hof wie auch Don Luis mit allen Mitteln. Isolation und Einsamkeit der vier Königskinder schildert Dugain in sehr berührenden Bildern, etwa in der brillanten kleinen Szene, die als einzige jene völlig andere Welt jenseits des Hofs evoziert: Louise Elisabeth entfernt sich da bei einer Pinkelpause im Wald von ihrer Kutsche und Eskorte, und plötzlich steht ihr in einigen Metern Entfernung ein Bauernmädchen gegenüber – sofort erstarren beide, als sähen sie einen Geist.

Die hervorragenden jungen Darsteller wie auch die Subtilität des Drehbuchs machen die uns heute eigentlich so fernen Figuren glaubhaft und gegenwärtig. Mit Gespür für ihren Alltag zeichnet dieses Historiendrama zudem ein stimmiges Porträt der Epoche, einer Welt, in der der Tod allgegenwärtig ist. Das schwingt in der Haltung und den Gesprächen der Menschen stets mit, davon erzählen Bilder verwaister Paläste und die Angst vor schwarzen Raben als bösen Omina. Viel Tod steckt auch in der Biografie des kleinen Ludwig: Die Eltern, die Geschwister – alle von den Pocken dahingerafft. Die Zukunft Frankreichs ruht auf den Schultern eines Waisenkindes, das Angst hat, allein zu schlafen.

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