Kritik zu Ein griechischer Sommer

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Ein Pelikan löst auf einer griechischen Insel und im Leben eines Jungen einige mehr oder weniger dramatische Ereignisse aus

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Weit, sehr weit weg scheinen die Probleme Griechenlands von dieser sonnigen Insel namens Zora zu sein. Zumindest auf den ersten Blick ist Ein griechischer Sommer nur ein Wohlfühlfilm, in dem ein azurblaues Meer leuchtet und lockt, mit pittoresken Dorfszenen und sympathisch-skurrilen Figuren. Welt- und Wirtschaftsferne wird hier schon durch die fast völlige Abwesenheit von Telefonen auf der Insel herausgestellt.

Die Einfachheit dieses Lebens spiegelt sich in der Geschichte des Films, die selbst an ganz junge Zuschauer nur bescheidene kognitive Ansprüche stellt: Da ist der 14-jährige Yannis, der nach dem Tod der Mutter allein mit seinem Vater aufwächst. Der ist kaum für den Sohn da, meistens mürrisch und manchmal auch jähzornig. Die serbische Regielegende Emir Kusturica, nur einer von zahlreichen, nichtgriechischen Darstellern in dieser französisch-griechischen Koproduktion, spielt ihn auf so verschrobene wie liebenswerte Weise. Ärger ist vorprogrammiert, als Yannis eines Tages ein Vogelbaby vom Festland mitbringt, das sich zu einem Pelikan von stattlichen 1,60 Meter mit dem schönen Namen Nikostratos auswächst und zur Touristenattraktion der Insel wird. Für Aufregung im Leben des schüchternen Jungen sorgt auch Angeliki, die Nichte des Dorfwirts, die eigentlich auf dem Festland lebt, aber den Sommer auf der Insel verbringt und Yannis mit ihrer quirligen und koketten Art verzaubert.

All dies erzählt das Regiedebüt des Franzosen Olivier Horlait mit einer Gelassenheit, die leicht in Langeweile umschlägt und in der das mit Abstand dramatischste Ereignis ein Unfall des Pelikans ist. Die Konflikte zwischen Vater und Sohn oder die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens bleiben Andeutungen. Hübsch und harmlos plätschert der Film die meiste Zeit dahin, ohne jede Spur von der Kraft oder Vielschichtigkeit anderer aktueller griechischer Produktionen. Das Überraschendste an diesem Werk ist vielleicht die Präsenz seiner tierischen Darsteller, allen voran der Pelikan und die Familienziege.

Gerade weil sie aber so anspruchslos daherkommt, hat diese Sommergeschichte etwas sehr Sympathisches. Ihr Humor, der oft danebengeht, wenn er eine Pointe auf den Kopf treffen will, findet dann, wenn er sich ganz beiläufig gibt, zu anrührenden Bildern, die den vordergründigen Realismus märchenhaft transzendieren. Da hängt plötzlich die Gemütslage des ganzen Dorfes an Wohl oder Wehe des Pelikans, da stapft ein Busfahrer, der ihn versehentlich angefahren hat, wochenlang untröstlich auf dem Dorfplatz auf und ab, und da treten die orthodoxen Mönche der Insel unversehens als Big Band auf.

Und ganz am Rande geht es eben doch ums Geld, um den Willen – oder das Desinteresse –, es zu vermehren, sei es mit dem Tourismus, mit Schwarzarbeit oder schwarz gebranntem Ouzo. Wenn aber eine freche Ziege einen 20-Euro-Schein verspeisen darf, ohne jede Aufregung zu provozieren, dann liegt darin vielleicht doch ein Kommentar zur großen Krise: Keine Panik, Geld ist nicht alles.

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