Kritik zu Dope

© Sony Pictures

2015
Original-Titel: 
Dope
Filmstart in Deutschland: 
28.01.2016
S: 
Musik: 
L: 
103 Min
FSK: 
16

Rick Famuyiwa verbindet in seinem Film den Flair von John Hughes' Teenagerkomödien mit beißender Sozialkritik am modernen Amerika

Bewertung: 3
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 1)

Malcolm, Diggy und Jib leben im Problembezirk Inglewood in Kalifornien, im Gangland der Schwarzafrikaner und Latinos, bezeichnenderweise »The Bottoms« genannt. Doch sie passen so gar nicht ins Bild, das sich das Kino sonst von diesen Boys in the Hood macht. Das fängt schon damit an, dass Diggy allem äußeren Anschein zum Trotz kein rotziger Junge, sondern ein liebenswert raues lesbisches Mädchen ist, und es geht weiter damit, dass ihre beiden Kumpels Malcolm (charismatisch gespielt von dem Sänger, Komiker und Kino-Newcomer Shameik Moore) und Jib (Tony Revolori, der beflissene Hotelpage aus »Grand Budapest Hotel«) allen Klischees aus der Hood widersprechend Geeks sind, die den Moden der 90er Jahre nachhängen, ihre Hausaufgaben machen und ein Harvard-Studium anstreben. Wenn bei ihnen der Drogenspürhund und der Metalldetektor anschlagen, werden sie vom Cop an der Schulpforte durchgewunken, weil niemand auch nur eine Sekunde glaubt, diese harmlosen drei könnten etwas mit Gangkriminalität zu tun haben. Rick Famuyiwa stellt alle Erwartungen an die Hood und Filme, die darüber gemacht werden, auf erfrischend subversive Weise auf den Kopf, indem er den liebenswerten Flair von John Hughes' Teenagerkomödien wie »Der Breakfast Club« und »Ferris macht blau« in die mit Vorurteilen und Diskriminierung verminten Problembezirke verlegt, von den privilegierten weißen Villengegenden in die rauen Straßenschluchten von Inglewoods »The Bottoms«. Die gewalttätig aggressiven Kids, die solche Filme sonst bevölkern, sind als Nebenfiguren nur Katalysatoren des Geschehens, während das Heldentrio wohlerzogen, eloquent, kreativ und zukunftsorientiert ist und dazu echten Retrocharme zelebriert, mit einer besonderen Vorliebe für High-Top-Frisuren, Blumenhemden, BMX-Räder, alte Fernsehserien, Vinylplatten, Kassettenrekorder und Garagenpunk. Als ausführender Produzent und Musikberater hat Pharrell Williams zusammen mit Rapper Sean Combs einen vergnüglichen Soundteppich mit Hip-Hop-Klassikern der 90er ausgerollt. Auf dem Sundance-Festival und in Cannes hat diese Feelgood-Offensive jedenfalls Begeisterungsstürme mobilisiert.

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände gerät das Trio in den Besitz einer beachtlichen Menge Drogen, die anschließend von konkurrierenden Gangs eingefordert wird. Um sich aus dem lebensgefährlichen Dilemma zu befreien, entwickelt Malcolm über nicht zurückverfolgbare Internetpfade und mit Bitcoins als Zahlungsmittel eine kreative Absatzmöglichkeit für Drogen und erinnert dabei entfernt an Charlie Bartletts erfinderische Version des Drogenhandels. Doch die hippe Komödie hat auch einen wütenden Stachel, mit dem Rick Famuyiwa die sozialen Ungerechtigkeiten des zeitgenössischen Amerika entlarvt, in dem Schwarze notorisch benachteiligt sind und ihre Chancen nicht mit Fleiß, sondern letztlich nur mit subversiven Tricks erkämpfen können.

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