Kritik zu Dinky Sinky

© Koryphäen Film/24 Bilder

2016
Original-Titel: 
Dinky Sinky
Filmstart in Deutschland: 
08.02.2018
L: 
94 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Mareille Klein erzählt in ihrer beim Filmfest München mit zwei Preisen ausgezeichneten Tragikomödie von dem verzweifelten Versuch einer Mittdreißigerin, endlich schwanger zu werden – mit oder ohne Partner

Bewertung: 3
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Die spröde Mittdreißigerin Frida (Katrin Röver) versucht seit zwei Jahren, mit ihrem Freund Tobias (Till Firit) ein Kind zu bekommen. Ebenso akribisch, wie sie sich als Sportlehrerin die Zyklen ihrer Schülerinnen notiert, die fast wöchentlich wegen Menstruationsbeschwerden auf der Bank sitzen, dokumentiert sie auch ihren eigenen Zyklus, und steigt dann auch schonmal des Eisprungs wegen für einen Quickie zurück in die Dusche zu ihrem Freund. Frida kann ihrer schwangeren Freundin in einem Babyausstattungsladen auch die Vorzüge eines bestimmten Kinderwagens detailliert erörtern – nur mit der eigenen Schwangerschaft will es nicht klappen. Gerade hat sie sich durchgerungen, dem ein wenig nachzuhelfen und Tobias einen Heiratsantrag zu machen, da nimmt dieser Reißaus. Doch Frida lässt sich nicht beirren, schließlich tickt ihre biologische Uhr und ihre Freundinnen erwarten teils schon das zweite Kind.

Doch irgendwie gerät ihr Leben völlig aus den Fugen: Ausgerechnet ihre verwitwete Mutter (Ulrike Willenbacher) lernt über ein Datingportal den selbstgefälligen und bereits dreimal verheirateten Hartmut (Michael Wittenborn) kennen. Ihre eigenen Dates enden in Katastrophen oder mit schonungslosen Wahrheiten: »Ich glaub', du bist ein Kontrollfreak.« Und dann bekommt sie noch Ärger mit den Eltern ihrer Schülerinnen wegen ihrer durchaus fragwürdigen Aufzeichnungen. Frida macht das nicht entspannter und schon gar nicht milder gegenüber sich und ihren Mitmenschen. Sympathischer wird sie dadurch allerdings auch nicht. Sie ist bei allem, was sie tut, verkrampft, kontrolliert, spröde – als Zuschauer fragt man sich während des Films, ob ein Baby tatsächlich ihr sehnlichster Wunsch ist, oder ob sie sich das für ihren Lebenslauf nur immer so vorgestellt hat, weil man das eben so macht.

Doch in »Dinky Sinky« ist nicht nur die Figur von Frida ständig verspannt. Auch der Gynäkologe stottert im Wesentlichen vor sich hin, wenn er über die Möglichkeiten aufklären muss, einer Schwangerschaft ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Auch Fridas Mutter und ihre Freundinnen zeichnen sich durch unbeholfenes Agieren aus. Einzig Tobias gewinnt an Souveränität, nachdem er sich von Frida getrennt hat. Man meint diesem Spielfilmdebüt anzumerken, dass Autorin und Regisseurin Klein bislang vor allem Dokumentationen gedreht hat: Auf geschliffene Unterhaltungen und rasante Szenen wartet man vergebens. Auch Fridas fast manische Joggerei setzt weder bei ihr noch beim Zuschauer Glückshormone frei.

In einer Gesellschaft, in der In-vitro-Befruchtungen, Hormonbehandlungen und Kinderwunschpraxen längst zum Alltag gehören, spürt Klein mit »Dinky Sinky« (das steht übrigens für: »Double income no kids yet« und »Single income no kids yet«) einem aktuellen Phänomen nach, wenn sie eine Frau begleitet, die sich mit Mitte 30 noch einmal neu sortieren muss. Das birgt hier und da durchaus ein paar komische Momente, reicht aber nicht, dem Film bei aller Ernsthaftigkeit des Themas echte Leichtigkeit zu verleihen.

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