Kritik zu Die schönste Zeit unseres Lebens

© Constantin Film

In Nicolas Bedos romantischer Komödie begibt sich Daniel Auteuil auf eine sentimentale Zeitreise: In die 70er Jahre, zu dem Moment, an dem er sich in seine spätere Frau verliebte

Bewertung: 3
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

Victor (Daniel Auteuil) gehört zu jener Sorte alter Männer, die nicht mit der Zeit gehen wollen. Computer, Smartphones, die ganze Digitalisierung lehnt er ab; sie hat ihn schließlich schon den Job gekostet. Victor war mal Karikaturist bei einer Zeitung. Sein Sohn Maxime (Michaël Cohen) bietet ihm neue Arbeit in seinem selbstverständlich digitalisierten Werbeunternehmen an, aber Victor will nicht. Stattdessen geht er lieber seiner Frau Marianne (Fanny Ardant) auf die Nerven, einer Psychotherapeutin, die mit der Smartphone-Benutzung keine Probleme hat. Vierzig Jahre sind die beiden schon miteinander verheiratet, aber nun ist die Ehekrise da: Victor macht Marianne so wütend, dass sie ihn vor die Tür setzt. Zu stolz, um sie um Verzeihung zu bitten, greift Victor zu einem Strohhalm: Hatte nicht der Sohn ihm das etwas seltsame Geburtstagsgeschenk einer Zeitreise gemacht? Victor ergreift die Gelegenheit, und er weiß genau, wohin er will: zurück ins Jahr 1974, in eine ganz bestimmte Bar, an einem ganz bestimmten Tag. Nämlich dem, an dem er dort Marianne kennenlernte.

Zeitreisen dieser Art sind das Geschäftsmodell von Antoine (Guillaume Canet), einem guten Freund von Maxime. Nicolas Bedos zeigt ihn in seinem Film als dauernervösen Impresario, der zwischen seinen Sets hin und her wechselt wie einst ein Tycoon in Hollywood: an einem Tag unter Aristokraten im 19. Jahrhundert, am nächsten im faschistischen Deutschland beim München-Abkommen. Jede Zeitreise gleichsam ein eigener Kostümfilm. Es sind allerdings nicht immer die besten Instinkte, denen die Leute nachgehen, wenn man ihnen Zeitreisen ermöglicht. Aber Antoine ist ein Perfektionist; er herrscht seinen Ausstattungsstab und ­seine »Schauspieler« an, bis alles perfekt sitzt. Seiner Freundin Margot (Doria Tillier) geht er in seiner Arbeitsbesessenheit zu weit. Sie will sich von ihm trennen. Dann aber drängt Antoine sie für einen letzten Job: Sie ist die Idealbesetzung für die junge Marianne, der der alte Victor in seiner Zeitreise wiederbegegnen will.

In hektischem Tempo, nicht immer ganz perfekt ausbalanciert, wechselt Nicolas Bedos in »Die schönste Zeit unseres Lebens« zwischen den Paaren und den Epochen. Während Victor in seiner Bar im Jahr 1974 sitzt und mit Marianne alias Margot flirtet und dabei seinen Erinnerungen frönt, verhandeln Antoine und Margot hinter den Kulissen ihre Beziehung neu. Die Alten und die Jungen schauen mit wechselseitiger Neugier auf die Erfahrungen der jeweils anderen. Und dann kommt eines Tages die »erwachsene« Marianne zum Set, setzt sich zu Victor und macht ihn darauf aufmerksam, dass seine Erinnerung der Dinge doch sehr subjektiv ist.

Hinter seiner glatten Fassade von Kurzweiligkeit verbirgt der Film ein überraschend komplexes Reflektieren über die Wirkung von Kino und Fiktion, über die Fetischisierung von Erinnerungen und den Einfluss, den diese auf unser Leben haben. Fast wünscht man sich am Ende, es gäbe ein solches Zeitreiseunternehmen tatsächlich.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns