Kritik zu Die Pariserin – Auftrag Baskenland

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Im Fahrwasser der »Sch'tis« gerät in dieser Komödie eine taffe Pariserin ins Baskenland und scheitert am schlitzohrigen Charme der Einheimischen

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Sibylle, eine ehrgeizige Pariser ­Geschäftsfrau, reist nach Bayonne ins Baskenland und luchst, mit einer Anzahlung von 100 000 Euro Schwarzgeld, dem greisen Ferran Beitialarrangoïta seinen alteingesessenen Familienbetrieb ab, um ihn in einen Supermarkt zu verwandeln. Als sich aber herausstellt, dass ihr Verhandlungspartner nicht geschäftsfähig ist, muss der Deal erneut in Angriff genommen werden. Und da die Verwandten des Besitzers total verärgert über das Geschäft sind, muss sie inkognito agieren. Als Ferrans Neffe Ramuntxo Wind von Sibylles Ankunft bekommt, bringt er sie dazu, sich als Einkäuferin eines Gourmetshops auszugeben, und nötigt sie, bei seinen Spezeln massenhaft Käse, Honig und andere regionale Leckereien zu kaufen. Druck bekommt Sibylle außerdem von ihrem karrierebesessenen Ehemann, der im Auftrag der Firma unbedingt das Schwarzgeld zurückschaffen muss.

Das Drehbuch scheut nicht vor Déjà-vus aus anderen regionalen Culture-Clash-Ko­mödien zurück. Doch der durchgängige Witz, der etwa »Willkommen bei den Sch'tis« trotz aller Vorhersehbarkeit zu einem Riesenerfolg machte, will sich hier nicht einstellen. Wo bei den Sch'tis in einer ingeniösen Drehbuchwendung die Klischees selbst karikiert wurden (als der Held seine Sch'ti-Freunde erst recht die hinterwälderlischen Deppen spielen lässt, um die Vorurteile seiner Frau zu bestätigen), wird hier wie auf einer Checkliste penibel und uninspiriert alles abgehakt, was das Baskenland aus oberflächlicher touristischer Sicht für einen Wochenendabstecher kultivierter Pariser interessant macht: Käse, Honig, Schafe, Baskenmütze, Espadrilles, Hirtenjodelwettbewerb. Auch gelingt es nicht, der Region mit den immergleichen Schwenks über grüne Hügel mehr als nur die erwarteten Panoramen landschaftlicher Schönheit abzuringen. Vor allem aber sind die beiden Hauptdarsteller weder besonders komisch, noch entwickeln sie spürbar Chemie. Florent Peyre, ein beliebter TV-Spaßmacher, gibt hier einen samtäugigen Hallodri, dessen attraktive Ausstrahlung auf die alerte ­Sibylle der Zuschauerin ein Rätsel bleibt. Élodie Fontan, durch »Monsieur Claude und seine Töchter« bekannt geworden, bekommt nicht viel mehr zu tun, als die »damsel in distress« zu mimen und sich Schmäh über ihre schafartig wollige Mähne anzuhören.

All das könnte vielleicht lustig sein – etwa auch im Hinblick auf Sibylles Fehde mit ihrer überspannten Schwiegermutter –, wenn das Timing stimmen und der Wortwitz über die Aussprache des Namens Aranxa als Orangina hinausgehen würde. So aber sorgen lediglich Nebenfiguren wie Daniel Prevost als verwirrter Opa und der unterbelichtete Praktikant, der Sibylle begleitet, für Amüsement. Tiefpunkt der Plattheiten ist ein Handlungshaken hin zur ETA, mit einer schwarz gewandeten, feurig blickenden Revolverbraut und einem Kalaschnikow-Zwischenfall, bei dem einem das Lachen im Hals steckenbleibt. Über allem waltet der Geist einer unambitionierten Fernsehkomödie, in der mit gönnerhafter Attitüde auch mal das Baskenland gewürdigt werden soll.

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