Kritik zu Die ewigen Momente der Maria Larsson

© Arsenal Filmverleih

Schweden in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts: Jan Troell widmet sich der leidvollen Geschichte einer Arbeiterfrau

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Wer diesen Film sieht, wird sich des Gefühls nicht erwehren können, dass er aus einer anderen Zeit stammt. Es ist ein altmodisches Kostümstück, das Anfang des letzten Jahrhunderts einsetzt und dennoch auf digitale Effekte weitgehend verzichtet, es arbeitet mit warmem, natürlich wirkendem Licht, an manchen Stellen weitet es sich geradezu zu einem Lehrstück aus, es gibt eine Erzählerin, und aufregende plot points sucht man vergebens.

Und wenn, dann hat sie die Historie geschrieben. Denn Die ewigen Momente der Maria Larsson ist ein Versuch, Familiengeschichte mit den Zeitumständen zu verbinden. Maria Larsson ist die Frau eines Arbeiters, Sigge, der anfangs noch Beschäftigung in den Docks von Malmö findet, in einen Streik involviert ist und später dann bei einem Fuhrunternehmer arbeitet. Es sind aber nicht die Verhältnisse, die es Maria und ihren vielen Kindern schwermachen, sondern ihr Mann, der säuft, sie schlägt und dessen außereheliche libidinöse Energie nicht zu zähmen ist.

Bei einer Tombola gewinnt Maria eine Kamera, eine Contessa, wie ihre Tochte Maja aus dem Off erzählt. Als Maria die Kamera bei dem Fotografen Pedersen versetzen will, stattet er sie stattdessen mit fotografischem Zubehör aus und schickt sie wieder zurück. Und das Fotografieren wird Maria fortan viel bedeuten, es ist eine Kunst, die nur ihr gehört, ein kleiner Akt der Befreiung. Denn Maria wirkt noch wie eine Figur des 18. Jahrhunderts: Ausbrechen aus ihrem Kosmos wird sie nie. Als ihr Mann in den Krieg zieht, bringt sie ihre Familie mit Fotografieren durch die Zeit, doch Sigge, wie nicht anders zu erwarten, hat wenig Verständnis für die Kunst seiner Frau.

Vieles an der Geschichte der Maria Larsson, die Schwedens Regiealtmeister Jan Troell in der Familie seiner Frau entdeckt hat, ist vorhersehbar – und nicht nur die zeitgeschichtliche Entwicklung. Und es gibt viele Momente, in denen das Gefühl des Altmodischen in altbacken umschlägt. Völlig eindimensional etwa ist Sigge geraten, dem das Drehbuch wenig Charakter und die Rolle des Musterproleten zugesteht. Und natürlich wird die Tochter in der großbürgerlichen Wohnung, wo sie im Haushalt hilft, Opfer eines sexuellen Übergriffs.

Aber immer dann, wenn der Film sich um das Fotografieren dreht, versteht er es zu berühren. Man merkt, dass etwas Besonderes ist zwischen der verhärmten Maria (Maria Heiskanen) und dem Fotografen Pedersen (Jesper Christensen), den sie immer wieder in seinem Atelier besucht. Aber Troell spielt es nicht aus. »Nicht jeder hat die Gabe des Sehens«, sagt Pedersen einmal zu ihr, und die Magie des Silbers auf der fotografischen Platte ist dem Gesicht Marias abzulesen, wenn sich das rote Licht der Dunkelkammer darin spiegelt. Einmal soll sie ein totes Mädchen in ihrem Sarg fotografieren, und sie nimmt die Kinder auf, die durch die Glasscheiben in den Raum hineinstarren. Ein großer Moment, in dem Leben in Kunst umschlägt.

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