Kritik zu Der Teufel trägt Prada 2

© 20th Century Studios

2026
Original-Titel: 
The Devil Wears Prada 2
Filmstart in Deutschland: 
30.04.2026
L: 
119 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Never change a winning team: Zwei Jahrzehnte nach dem ersten Teil kehren Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt und Stanley Tucci zurück in das schnelllebige Modebusiness

Bewertung: 4
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Wenn ein geliebter Klassiker neu aufgelegt wird, wenn zwanzig Jahre nach dem Original an einen Erfolg angeknüpft werden soll, dann hält man als Filmfan immer ein bisschen den Atem an. Nun standen die Zeichen für »The Devil Wears Prada 2« nicht schlecht, denn eine gewisse Qualität ist allein schon durch die Beteiligung von Meryl Streep garantiert, immerhin hat sie dem Sequel von »Mamma Mia!« souverän eine Absage erteilt. Tatsächlich ist es ein großes Vergnügen, der inzwischen 76 Jahre alten Schauspielkönigin dabei zuzusehen, wie sie mit sprühendem Elan, strahlender Präsenz und in glamourös dramatischen, oft leuchtend roten Roben nicht nur den Film, sondern auch seine Premierenévents weltweit zum Laufsteg macht: wie passend für eine Rolle, die an Anna Wintour angelehnt ist, die als Chefredakteurin der amerikanischen »Vogue« schon früh auf Synergien zwischen Mode und Hollywood gesetzt und glamouröse Stars zu Models gemacht hat. All denen, die das Verfallsdatum von Schauspielerinnen spätestens bei der Marke 40 verorten, bietet sie auf diese Weise überzeugend Paroli. Schon vor zwanzig Jahren war Meryl Streep (die sich ähnlich wie Wintour beharrlich in einem von Männern und jungen Frauen dominierten Markt behauptet) als Miranda Priestly mit Glamour, Selbstbewusstsein und Entschlossenheit als weiblicher Chef angetreten und hat damit einiges getan für das Bild erfolgreicher Frauen in den Medien. Statt das Vorbild zu imitieren, dockte sie an toxischer Manager-Männlichkeit an und fegte mit einem verächtlich herausgeatmeten »That's all« jedes Gegenüber zur Seite wie eine lästige Fliege.

Die Herausforderung für das Sequel lag darin, die Tradition zu feiern und zugleich frisch auf eine veränderte Welt zu reagieren, wofür Anne Hathaway die schönste Analogie gefunden hat: Im Grunde seien Meryl Streep und Stanley Tucci, sie und Emily Blunt wie eine Band, die ein neues Album aufnimmt und auf Tour geht: Sie wollen neue Songs spielen und müssen dem Publikum trotzdem auch die alten Hits liefern, und das Quartett zeigt auf mitreißende Weise, was für einen mächtigen Spaß sie dabei nicht nur vor der Kamera haben. An der Oberfläche repräsentiert »The Devil Wears Prada 2« also erneut die flirrende Hektik und Schnelllebigkeit der Modeindustrie. Im rasenden Wechsel von Outfits und Locations, im ständigen Wettlauf mit der Zeit heizen schnelle Schnitte und energetische Kamerabewegungen das Tempo an und bringen den Film zwischen Modesatire und Fashion-Thriller zum Oszillieren wie doppelt gewebte Seide oder schimmernde Paillettenstickereien. Inhaltlich thematisiert der Film den Wandel in der modernen Welt, die Verdrängung des gedruckten Qualitätsjournalismus durch die digitalen Medien, denn auch die Ausgaben des an die »Vogue« angelehnten Modemagazins »Runway« sind von einst opulenten 1.000 Seiten auf 200 geschrumpft. Als der Erbe das Geschäft abwickeln will, springt ein an Jeff Bezos angelehnter Techmilliardär ein, und sogar Miranda Priestly muss einsehen, dass manchmal nur noch Frauensolidarität hilft …

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