Kritik zu Der Mondmann

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Eine Hommage an Tomi Ungerer: Stephan Schesch, der bereits Die drei Räuber (2007) produziert hat, führt nun bei der animierten Adaption von Ungerers bekanntem Bilderbuch von 1966 auch Regie

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Der Mondmann ist ein idealtypischer Familienfilm.Schon der Autor der Bilderbuchvorlage,  Tomi Ungerer, ist ein Künstler, der sich nicht auf die eine oder andere Zielgruppe  festlegen lässt, er arbeitet für Erwachsene wie für Kinder gleichermaßen. Stephan Schesch hatte bereits dessen Kinderbuch Die drei Räuber (2007, Regie Hayo Freitag) produziert und hat nun in seiner zweiten Ungerer-Adaption auch die Regie übernommen. Das Bilderbuch von 1966 – ein Klassiker in unseren Kinderzimmern – umfasst nur 39 Seiten und erzählt die Geschichte vom einsamen Mondmann, der sich aus Langeweile auf die Erde hinunter begibt und da von den Menschen gejagt wird, bis der geniale Erfinder Bunsen van der Dunkel ihn mit einer Rakete zurück ans Firmament schießt.

Die Geschichte ist für den Film zu kurz und so hat Schesch sie um eine politische Komponente erweitert: Der Präsident, der sich bereits die gesamte Erde untertan gemacht hat, will als nächstes den Mond erobern. Als Klammer dienen Szenen mit Vater, Tochter und Hund, die im offenen Cabriolet zunächst im Autokino sitzen und von da aus durch den Film fahren, um zum Schluss wieder an denselben Ort zurückzukehren. Zwischendurch werden sie den Mondmann ein Stückchen seines Weges mitnehmen. An dieser Kleinfamilie merkt man sehr deutlich, dass der Film aus Zeit und Raum herausgefallen ist. Sie schlafen nie, sondern bringen uns von Szene zu Szene, einem Roadmovie gleich, durch wundervoll glühende Landschaften, die an mexikanische Weiten erinnern. Diese Bildästhetik bestimmt den gesamten Film. Schesch nennt ihn einen »Lampion-Film«. Es herrschen eher dunkle Hintergrundtöne vor, aber die Blumen, Lichter und Weizenfelder leuchten darin umso strahlender, und der Mondmann, ein kleiner weißer Kerl, tapst darin neugierig und unsicher herum, dass man ihn sofort an die Hand nehmen, retten und beschützen will.

Sprachlos landet er auf unserer Erde und Katharina Thalbach verleiht ihm eine zunächst nur gutturale Stimme, die dann zunehmend Wörter findet: Ohne sie wäre der Mondmann nur halb so einnehmend. In Frankreich fand man keine ähnliche Synchronstimme und Thalbach musste die französischen Sätze einstudieren, um die Charakteristik der Figur beizubehalten. Ulrich Tukur als Präsident und Corinna Harfouch als Conquista runden das Sprecherensemble kongenial ab.

Im klassischen 2D auf Computermonitoren handgezeichnet, ist Schesch mit seinen 120 Animatoren in jedem Bild ein kleines Kunstwerk gelungen. Es ist natürlich einerseits ein Kinderfilm und gleichzeitig ein typischer Ungerer-Film, denn die erotischen Anzüglichkeiten, die wir aus dessen Grafiken kennen, lässt Schesch hier ganz nebenbei einfließen, ohne dass sie für das jüngere Publikum erkennbar wären oder störend wirken. Komplettiert wird die zweite (Erwachsenen-) Ebene durch hinreißende Musik- und Klangkompositionen,die von »Moon River« bis »Der Mond ist aufgegangen« reichen und alle mitnehmen, die ein wenig in Erinnerungen schwelgen wollen.

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