Kritik zu Der Dunkle Turm

© Sony Pictures

Überraschend kurz und mit überraschend wenig Exposition kommt die Verfilmung von Stephen Kings gleichnamiger, ausufernder Fantasysaga daher, die eventuell nicht mehr sein will als ein bloßer Auftakt zu einem Franchise

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Ein mehrtausendseitiger Romanzyklus liegt diesem Neunzigminüter zugrunde. Ist das nicht vermessen? Und: Kann das gut gehen? Vermessen ist es auf jeden Fall und ob es gut geht, kommt auf den Standpunkt an. Nun hat sich der dänische Regisseur Nikolaj Arcel an die in acht Bänden entwickelte und fast als unverfilmbar geltende Fantasy-Saga »Der dunkle Turm« gewagt. Und nicht nur das, er springt kurzerhand mitten hinein in den weitläufigen Stoff und vermittelt von seinem Zentrum aus einen panoramatischen Überblick: über das Ausmaß des fiktionalen Raumes wie über die vielfältigen narrativen Möglichkeiten, diesen zu erschließen. Leider bleibt es dann beim bloßen Sondieren: »Der dunkle Turm« ist kaum mehr als eine Exposition, die Figuren in Stellung bringt und Konfliktfelder eröffnet und nur Teile von der Mythologie und der kosmologischen Ordnung der dargestellten Welt erzählt.

Die Geschichte geht so: Der titelgebende Turm ist nicht weniger als die Achse des Universums, die zahlreiche Welten im Gleichgewicht hält und zugleich als Bollwerk dient gegen das Trachten der Finsternis, diese Welten zu verschlingen. Agent des Bösen ist der Mann in Schwarz, ein übelwollender Zauberer, der die paranormalen Gedankenkräfte von Heranwachsenden nutzt, um dem Achsenturm schwere Schläge per Energiestrahl zu versetzen. Dem Mann in Schwarz immer auf den Fersen ist sein Gegner, der Revolvermann, der letzte noch lebende Wächter und Hüter von Mittwelt. Mittwelt? Das klingt nicht nur zufällig nach »Mittelerde«. Buchautor King machte nie ein Hehl daraus, dass er J.R.R. Tolkiens Epos »Der Herr der Ringe« zu den wesentlichen Einflüssen seiner Saga zählt. Neben Sergio Leones »Zwei glorreiche Halunken«, der Artus-Legende und Star Wars sowie seinen eigenen Werken. Nicht zuletzt also ist »Der dunkle Turm« – Film wie Buch – auch eine multifunktionale Andockstation, die eklektizistisch Motive aus unterschiedlichen Genres miteinander verbindet und dann allerdings unter der Maßgabe eines umfassenden eschatologischen, auf den Untergang der Welt bezogenen Entwurfs neu ausrichtet.

Im vorliegenden Film allerdings richten sich der Mann in Schwarz und der Revolvermann zunächst einmal auf den etwa 11-jährigen Jake Chambers aus, dessen geistige Superkräfte den Turm ein für alle Mal zum Einsturz bringen könnten. Womit sodann jenen Billigheimer-Gummimonstern Tür und Tor geöffnet wäre, die seit jeher Stephen Kings fantastischen Kosmos bevölkern und unvermeidlich spätestens im letzten Akt seinen Fabeln die Luft rauslassen; selbstverständlich dürfen sie auch in »Der dunkle Turm« für mehr Gähnen denn Schrecken sorgen. Eher zum Fürchten ist da schon Matthew McConaughey, der als Mann in Schwarz seinen inneren Christopher Walken entdeckt. Dem weltgewandten Übeltäter steht der fast schon verrohte und nahezu asoziale Krieger gegenüber, den Idris Elba müde und resigniert sich seinem schweren Schicksal beugen lässt – um ihn im rechten Moment als veritablen Helden erstrahlen zu lassen. Der junge Tom Taylor, in der Rolle des Jake, hält sich unter den gegebenen Umständen ausgesprochen wacker.

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