Kritik zu Dem Horizont so nah

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Nach einer wahren Geschichte: Tim Trachte hat Jessica Kochs Bestseller über eine dem Kitsch nicht unferne, dramatisch verlaufende junge Liebe verfilmt

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»An jenem Abend kreuzt der 20-jährige Danny zufällig ihren Weg. Sofort ist sie fasziniert von ihm, denn er besitzt alles, was sie sich erträumt: gutes Aussehen, Erfolg, Unabhängigkeit und Geld.« So steht es in Jessica Kochs 2016 erschienenem Bestseller. Tim Trachte hat diese »wahre Geschichte über Liebe, Vertrauen und die Kraft loszulassen« nun für die Leinwand adaptiert. Erzählt wird das Melodram aus der Sicht der 18-jährigen Jessica (Luna Wedler), die gerade die Führerscheinprüfung bestanden hat. Nun muss sie gleich den Firmenwagen des Catering-Familienbetriebs fahren. Begeisterung sieht anders aus.

Ihre Stimmung hellt sich auf, als sie auf der Kirmes den 20-jährigen Danny (Jannik Schümann) trifft. »Vergiss ihn«, sagt ihre Adoptivschwester mahnend, »entweder ist er schwul, oder er geht mit seiner Mitbewohnerin ins Bett«. Doch dann fährt Danny mit einem Mercedes Cabrio vor und lädt sie gleich beim ersten Date in ein schniekes französisches Restaurant ein. Hinterher zitiert er auch noch romantische Gedichte. Jessica wähnt sich wie in einem Traum. Das perfekte Glück, gibt es das etwa doch?

Die Adaption des gleichnamigen Bestsellers versucht eine verdächtig nach Kitsch klingende Geschichte als ernst zu nehmendes Liebesdrama zu inszenieren. Das zeigt der betont langsame Rhythmus. Der Film nimmt sich Zeit, um das ländliche Milieu zu schildern, in dem Jessica verwurzelt ist. Leider funktioniert das nur teilweise. Denn die Eltern, gespielt von Stephan Kampwirth und Victoria Mayer, bleiben schemenhaft und blass. Immerhin halbwegs spannend ist die Entwicklung der Geschichte, die Dannys »dunkles Geheimnis« nach und nach lüftet.

So beobachtet Jessica mit großen Augen, dass ihr Märchenprinz keine Geldsorgen hat, weil er Reklame für Unterwäsche macht. Das gut bezahlte Fotomodel nimmt man dem androgyn wirkenden Jannik Schümann durchaus ab. Weniger glaubhaft ist dagegen sein Auftreten als Kickboxer. Die Szene dieses Kampfsports, in der Frederick Lau als Trainer agiert, ist nicht glaubhaft gezeichnet. Seltsam diffus wirkt der Film zudem in seiner Ausstattung. Das liegt weniger daran, dass die Situierung in den 90er Jahren nur beiläufig mit einem Klapphandy und einem Röhrenfernseher angedeutet wird.

Die Wohnung, die Danny mit Mitbewohnerin Tina (Luise Befort) teilt, sieht nicht aus wie die Bude zweier Anfang Zwanzigjähriger, die vom Leben gebeutelt wurden. Die stets aufgeräumte Küche mit dem wandgroßen Bleiglasfenster und der Batterie dekorativer Sansevieria Sukkulenten mutet eher an wie die Illustration eines Wohnmagazins. Die Summe dieser Unschärfen führt schließlich dazu, dass auch die Tragik dieser Geschichte – die nicht in der Rückblende, sondern mit nicht immer überzeugenden Dialogen vermittelt wird – nicht unter die Haut geht. Der kulleräugigen Luna Wedler nimmt man die Konfrontation mit dem tödlichen Schicksal ihres Freundes nicht wirklich ab. Der Versuch, dem Kitsch entgegenzusteuern, scheitert spätestens dann, wenn die beiden Liebenden zu einer Abschiedsreise durch die USA aufbrechen.

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