Kritik zu Das schaffen wir schon

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Andreas Arnstedt (»Die Entbehrlichen«) will passend zum Bundestagswahl­kampf in seiner neuen Komödie Realpolitik mit den Mitteln der überspannten Mediensatire aufmischen

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Im Fernsehstudio herrscht Bombenstimmung: Vor laufender Kamera wird Angela Merkel als Geisel genommen und muss gemeinsam mit sechs Spitzenkandidaten aller großen Parteien einen Sprengstoffgürtel anlegen. Wer das Studio verlässt, den reißt es in Stücke. Ein islamistischer Anschlag auf das deutsche Leitmedium? Weit gefehlt. Pünktlich zur anstehenden Bundestagswahl nimmt die schrille Mediensatire »Das schaffen wir schon« die Konzeptlosigkeit der Berufspolitiker aufs Korn. Darunter leiden muss die ausgebeutete Putzfrau Susanne Kleinke (Marie Schöneburg), die von ihrer Zeitarbeitsfirma gefeuert worden ist. Als ihr Chef sich in einer Polit-Talkshow feiern lässt, ergreift Susanne die Chance. Während der Sendung stürmt sie die Bühne und richtet die Waffe auf Angela Merkel. Falls die Kanzlerin nicht das bedingungslose Grundeinkommen einführt, wird Susanne abdrücken.

»Das schaffen wir schon«, so der Titel,­ der Angela Merkels Kommentar zur Flüchtlingskrise aufgreift, will Realpolitik mit den Mitteln der überspannten Mediensatire ad absurdum führen. Die grelle Farce ist politisch, aber nicht politisch korrekt. Constantin von Jascheroff gibt den zynischen, an Ulrich Meyer erinnernden Moderator, der Peter Altmeier (Günther Brenner) nebenbei als »Fickbock« beschimpft. Warum lässt der sich dies widerspruchslos gefallen? Das ist nur eine von vielen Ungereimtheiten dieses fröhlich dahin dilettierenden Films, der mehr aus dem Bauch heraus entstanden ist. Mangelndes Budget wird mit schlechtem Geschmack kompensiert. Als Andrea Nahles (Barbara Romaner) trotz Warnung der Geiselnehmerin das Studio verlässt, detoniert die SPD-Politikerin im Flur. Übrig bleibt nur die Brille. Na ja.

Erwähnenswert ist zumindest die Grundidee: Ursula von der Leyen, von Claudia Geisler-Bading als militante Lesbe gespielt, will gegen die ewige Angela putschen. Das gelingt ihr auch beinahe, doch dann erleidet sie einen Zusammenbruch. Von den drei Buchstaben CDU kann sie am Ende nur noch »Uh« stammeln: Dieser anarchische Dilettantismus ist teilweise erfrischend, im Gegensatz zu Christoph Schlingensiefs hysterischen Filmen aber nicht enthemmt genug.

Andreas Arnstedt avancierte vom TV-Seriendarsteller (»Küstenwache«) zum ambitionierten No-Budget-Regisseur. Sein Debüt »Die Entbehrlichen« wurde noch gelobt. Doch seinen neuen Film hat er aus der Hüfte geschossen. Entsprechend groß ist die Streubreite der Pointen. Martin Schulz sei »der Teufel«, heißt es, worauf entgegnet wird, man könne diesen Spruch im Wahlkampf nicht verwenden, weil »Trump die Rechte am Bösen« habe. Neben Dialogen zum Fremdschämen hat das Gaga-Szenario aber seine Momente. Manuela Biedermann ahmt Angela Merkel täuschend echt nach. Zumindest in den ersten Minuten ist das ein Hingucker. Doch dann ermüdet der Film, weil man ihm ansieht, welche Mühe Arnstedt damit hat, irgendwie plausibel zu erklären, wie eine Putzfrau Sprengstoffgürtel in ein Fernsehstudio einschmuggeln kann. Die ohnehin nur schemenhaft gezeichnete Figur dieser militanten Reinigungskraft gerät dabei völlig aus dem Blick. Schade eigentlich.

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Kommentare

Der Moderator Neunzig nennt nicht Altmeier einen „Fickbock“, sondern Horst/Seehofer (Thomas Bauer, darum weiß ich das so genau ;-) )

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