Kritik zu Congo Murder

© Real Fiction Filmverleih

Regisseur Marius Holst erzählt die wahre Geschichte von Verhaftung und Verurteilung zweier Norweger im Kongo. Die Uneindeutigkeit des realen Geschehens inszeniert er mit, neben der Tortur der beiden Männer, ob schuldig oder nicht

Bewertung: 4
Leserbewertung
0
Noch keine Bewertungen vorhanden

»Congo Murder« erzählt die wahre Geschichte der beiden norwegischen Abenteurer Joshua French (Aksel Hennie) und Tjostolv Moland (Tobias Santelmann). Zumindest versucht er das. Denn die Fakten, die Regisseur Marius Holst hier in einer zusammenhängenden Geschichte inszeniert hat, sind äußerst widersprüchlich. Und diese Widersprüchlichkeit ist dann auch Teil des Films. Aber von Anfang an.

Im Frühjahr 2009 wurden die zwei verhaftet. Der Vorwurf lautete, sie hätten den von ihnen angeheuerten Fahrer Abedi Kasongo auf offener Straße erschossen. Ein Motiv gibt es nicht, und doch wurden sie wegen Mordes angeklagt. Und nicht nur das. Es kamen noch Spionage, versuchter Mord, illegaler Waffenbesitz, Raub und die Bildung einer kriminellen Vereinigung hinzu. Das Urteil vor einem Militärgericht lautete: Todesstrafe. Moland und French hatten nichts von all dem zugegeben. In ihrer Version war Kasongo von unbekannten Tätern aus einem Hinterhalt erschossen worden. Zu dem wahren Ziel ihrer Reise, für einen Rebellenführer nicht genauer bezeichnete Wertgegenstände und Dokumente aus dem Kongo zu schmuggeln, sagten sie nichts. Da im Kongo Todesstrafen selten vollzogen werden, bedeutete das Urteil Gefängnis für den Rest des Lebens. Außerdem sollte der Staat Norwegen die absurde Summe von 400 Milliarden Dollar Entschädigung bezahlen.

Beide traten ihre Haft an, in einem Gefängnis ohne Ordnung. Die Häftlinge werden notdürftig versorgt und bilden eine Gesellschaft mit eigenen Gesetzen. In der von innerer Gewalt bestimmten Hierarchie muss jeder seinen Platz finden. Vier Jahre halten sie es dort gemeinsam aus – Jahre, die durch Kämpfe im Gefängnishof, versuchte Vergewaltigungen und farcehafte Revisionsverhandlungen bestimmt sind. Dann wird Moland 2013 tot in der gemeinsamen Zelle aufgefunden. French wird jetzt auch noch der Tod seines besten Freundes zur Last gelegt. Wie sich die Autoritäten ihm gegenüber verhalten, was das Ziel der Verurteilung ist und, vor allem, warum die Haft plötzlich endet, bleibt ebenso unklar wie das Verbrechen selbst. 2017, acht Jahre nach seiner Verhaftung, wird Joshua French aus gesundheitlichen und humanitären Gründen entlassen und darf in seine norwegische Heimat zurückkehren. Für die Republik Kongo ist der Fall damit erledigt.

Holst erzählt seine Geschichte in Fragmenten. Bis zu Kasongos Tod bleibt er streng chronologisch, doch dann springt er in der Zeit vor und zurück. Er steigert die Zweifel an der Version von French und Moland, der Hinterhalt wird zu einer Möglichkeit unter vielen. Merkwürdig aber bleiben die Gerichtsverhandlungen. Auf weißen Plastikstühlen in einer Art Lagerhalle findet der Prozess statt, weder Zeugen noch Beweise sind nötig, das Urteil ist völlig willkürlich. Anstand und Wohlverhalten werden genauso beurteilt wie die Geschichte vom Hörensagen. Die Täter werden einem nicht sympathisch, doch zeigt der Film ihre Tortur, das völlig undemokratische Verfahren und die Zustände im Land äußerst überzeugend.

Meinung zum Thema

Ihre Meinung ist gefragt, Schreiben Sie uns