Kritik zu The Cold Light of Day

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Ein Amerikaner in Spanien – macht noch lange keinen guten Actionfilm. Mabrouk EL Mechris schickt einen Wall-Street-Händler durch einen Entführungsplot auf die iberische Halbinsel. Leider gehört Bruce Willis als Vater zu den Entführten

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Als Will Shaw (Henry Cavill) nach einem langen Flug in Spanien ankommt, ist sein Gepäck verschwunden. Doch das interessiert ihn kaum. Diese ganze Reise ist für ihn nur eine lästige Ablenkung. Schließlich hat er mit seiner Firma ganz andere Probleme. Am liebsten wäre er in den Staaten geblieben. Doch seine Eltern haben auf dem gemeinsamen Segelurlaub bestanden.

Dabei herrscht zwischen Will und seinem autoritären Vater Martin (Bruce Willis) schon seit längerem eine Art kalter Krieg. Die Blicke, die sie tauschen, sagen alles; und mit jedem Anruf, den Will bekommt, verfinstert sich Martins Miene noch etwas mehr. Eine enorme Spannung liegt in der Luft, nicht nur zwischen Vater und Sohn. Etwas scheint sich zusammenzubrauen. Nur Will bleibt blind für die seltsamen Zwischenfälle, die sich rund um ihn und seine Familie häufen. Doch dann verschwinden sein Vater, seine Mutter, sein Bruder und dessen Freundin spurlos.

Fehlende Gepäckstücke am Flughafen, das Bekenntnis eines Reisenden, kein Spanisch zu sprechen, die ständigen Anrufe, die Will zu jeder Tages- und Nachtzeit bekommt, später dann noch ein Motorboot, das viel zu schnell und viel zu rücksichtslos in einer ruhigen Bucht hin und her rast. Für sich genommen sind das eigentlich ganz alltägliche Details und Situationen. Doch in den ersten Minuten von Mabrouk El Mechris Thriller greifen all diese kleinen Irritationen so perfekt ineinander, dass sie ein diffuses Klima der Bedrohung schaffen. Noch ist unklar, was passieren wird. Doch dass bald etwas passieren wird, daran kann nicht der leiseste Zweifel bestehen.

Mabrouk El Mechri, der mit dem ironischen Arthouse-Actionfilm »JCVD« Jean- Claude van Damme zu einem bemerkenswerten Comeback verholfen hat, nimmt sich zu Beginn seiner wilden Jagd durch Spanien erstaunlich viel Zeit. Die Sorgfalt, mit der er atmosphärische Details in Szene setzt, erinnert durchaus an die Klassiker des Genres. Etwa eine Viertelstunde lang könnte man glauben, El Mechri macht dort weiter, wo einst Alfred Hitchcock mit Der Mann, der zuviel wusste und Roman Polanski mit Frantic aufgehört haben. Doch dann verschwindet Wills Familie und mit ihr auch alles, was The Cold Light of Day bis dahin ausgezeichnet hat.

Was folgt, ist das übliche Action-Einerlei, das für wüste Schießerei und abstruse Verfolgungsjagden auf jedweden Stil verzichtet. Will erfährt, dass sein Vater für die CIA gearbeitet hat und nun als Verräter gilt. Die Entführer seiner Familie wollen einen Aktenkoffer, über den er selbst nichts weiß. Und Martins CIA-Kollegin (Sigourney Weaver) treibt offensichtlich ein doppeltes Spiel.

Das alles macht kaum Sinn, aber gibt genügend Anlass für spektakuläre Schusswechsel mitten in Madrid. Dass dabei auch zahlreiche Zivilisten sterben, scheint weder die CIA-Agenten noch ihre aufrechten Gegenspieler vom Mossad weiter zu stören. Will wird zwar mal als vermeintlicher Cop-Killer von der spanischen Polizei gejagt. Doch diesen Handlungsstrang lässt El Mechri schnell wieder fallen. Ob aus Angst davor, dass die Story zu unübersichtlich wird, oder einfach aus Desinteresse, bleibt offen.

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