Kritik zu Celeste & Jesse

© DCM

2012
Original-Titel: 
Celeste and Jesse forever
Filmstart in Deutschland: 
14.02.2013
V: 
L: 
95 Min
FSK: 
keine Beschränkung

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert – lautet der Untertitel dieser vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe handelnden Komödie, in der Rashida Jones als Autorin und Hauptdarstellerin glänzt

Bewertung: 4
Leserbewertung
4
4 (Stimmen: 1)

Vermutlich wären viele Ehepaare glücklich, wenn sie hätten, was Celeste und Jesse haben: wunderbare Nähe und Offenheit, eine tiefe freundschaftliche Verbindung und dazu jede Menge Spaß. Celeste und Jesse aber sehen das anders. Sie haben sich schon vor Monaten getrennt, weil es so einfach nicht mehr weitergehen konnte. Was sie allerdings nicht davon abhält, einfach immer so weiterzumachen.

Klingt paradox? Ist es auch – zumindest für die Freunde des Paares, die nicht damit klarkommen, dass dieses perfekte Duo getrennte Wege geht, ohne sich wirklich zu trennen. Die beiden aber halten das für ganz normal: Sie wollen Freunde bleiben, das Gute an ihrer Beziehung bewahren und aneinander festhalten. Nur das Bett teilen sie nicht mehr. Und die Zukunftsperspektive.

Ein originelles, leicht schräges Set-up also für eine Romantic-Comedy – eine Ausgangsposition, die den Screwball-Topos der »remarriage comedy« aufgreift und modernisiert, dabei aber alle Klischees über Bord wirft und eine erstaunliche dramaturgische Unvorhersehbarkeit erzeugt. Alles ist irgendwie anders in diesem Film, frischer, verdrehter, überraschender als in all den formelhaften Rom- Coms der letzten Jahre. Man kann dieses Genre also doch noch weitertreiben – oder sagen wir besser: mal so richtig auf den Kopf stellen.

Natürlich ist das vor allem ein Verdienst des Drehbuchs von Rashida Jones und Will McCormack, die hier gemeinsame autobiografische Erfahrungen zum Ausgangspunkt für eine Komödie über das Entlieben nehmen. Ihre wichtigste Strategie dabei: das fortwährende Spiel mit Erwartungen und deren lustvoller Enttäuschung. Der Film ist uns immer ein paar Schritte voraus, gaukelt einen Status quo vor, der eigentlich längst überholt ist. Nach der Titelsequenz etwa, die in Standbildern vom Kennenlernen und von der Hochzeit der beiden erzählt, erscheinen die ersten Szenen wie ein Sprung in jene Phase der Beziehung, in der die ersten Dissonanzen auftauchen. Die beiden wirken alles in allem zufrieden – nur zum Thema Arbeit und Disziplin scheint es Meinungsverschiedenheiten zu geben, eine leichte, nicht sonderlich ungewöhnliche Gereiztheit eben. Tatsächlich aber – wir erfahren das erst einige Filmminuten später – sind die beiden hier schon längst »auseinander«, und man fragt sich: Wenn so das Unglück aussieht, wie war dann erst das Glück?

Eine Frage, der sich Celeste (umwerfend: Rashida Jones) und Jesse (sympathisch: Andy Samberg) fortan auf sehr unterschiedliche Weise nähern. Beide kreisen umeinander, fühlen sich abwechselnd angezogen und abgestoßen. Aber wer nun denkt, die Sache sei klar, beide werden am Ende schon einsehen, dass sie füreinander geschaffen sind, der liegt komplett falsch – jedenfalls in dem Sinne, in dem Hollywood so etwas für gewöhnlich auflöst. Vielmehr entwirft die von Lee Toland Krieger mit leichter Hand inszenierte Geschichte ein komplexes Beziehungsgeflecht um moderne Geschlechterrollen, die so ganz anders funktionieren als in früheren Dekaden. Viel Schmerzhaftes und Trauriges verarbeitet Celeste & Jesse dabei, lauter Wahrheiten vom Suchen und Finden, Verlieren und Wiederfinden der Liebe.

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