Kritik zu bestefreunde

© Résiste Film

Jonas Grosch und Carlos Val wollen in ihrem ersten gemeinsamen Film Generationsporträt und Romcom nach amerikanischem Vorbild zusammenbringen

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Es beginnt amateurhaft. Die Bilder sind verwackelt, und der Ton lässt auch zu wünschen übrig. Man muss sich schon sehr konzentrieren, um zu verstehen, was Susi Q (Katharina Wackernagel) und Mark (Sebastian Schwarz) eigentlich wollen. Aber so ist es eben bei Crowdfunding-Videos, die eher ein bestimmtes Lebensgefühl als eine konkrete Idee verkaufen wollen. Die haben die Fotojournalistin und der Blogger allerdings auch. Die Netzgemeinschaft und ihre Leser sollen ihnen durch ihre Zahlungen einen Aufenthalt in Südamerika finanzieren. Dafür wollen sie von dort mit ihren Texten und Fotos berichten.

Mit dem kleinen Video, das dann in private Video-Selfies der beiden Journalisten übergeht, sind die Koregisseure und -Autoren Jonas Grosch und Carlos Val ganz nah an der Agonie und Ekstase der nicht mehr ganz so jungen Kreativen. Mit ihren Reisen, die sie zumindest durch ganz Europa führen, leben Susi Q und Mark den Traum ihrer Studentenzeit. Doch dieses Leben ohne Gewissheit, in dem das Geld höchstens für die kommenden Tage reicht, hat zumindest für Mark etwas Zermürbendes. Wahrscheinlich hat er sich sowieso nur darauf eingelassen, weil er hoffnungslos in seine lesbische beste Freundin Susi verliebt war.

Zwischen Boheme und Biedermeier, so lässt sich das prekäre Leben der ewigen Freiberufler und Projektjünger durchaus treffend beschreiben. Und irgendwann wählen sie dann die eine oder die andere Seite. Susi hat sich radikal für das Ungewisse entschieden. Als sie schließlich von ihrem Trip durch Europa zurückkommen, sind in ihrer Berliner Mietwohnung Strom und Heizung abgeschaltet. Das Haus wird renoviert, und die Verwaltung will sie loswerden. Aber selbst damit kann Susi leben, solange sie weiß, dass sie bald nach Südamerika fliegen wird. Viel schlimmer ist, dass sich Mark plötzlich in die entgegengesetzte Richtung begibt. Er hat sich in Vivian (Tina Amon Amonsen) verliebt und ist auf dem besten Weg, bürgerlich zu werden.

Immer wenn Grosch und Val von den Zumutungen der Gegenwart erzählen, also von zynischen Magazinredakteuren, die Susi und Mark verkünden, sie seien mit dem Crowdfunding doch auf dem richtigen Weg, oder von kriecherischen Wohnungsverwaltern, beginnt bestefreunde, kurz zu strahlen. Natürlich sind diese Szenen satirisch überhöht und ins Groteske verzerrt, aber sie treffen den Kern unserer Zeit. Nur sind diese aufrührerischen Miniaturen in eine Geschichte eingebettet, die kein Klischee romantischer Komödien aus Hollywood auslässt. Susi will Mark und Vivian um jeden Preis auseinanderbringen. Dafür denunziert sie ihre Nebenbuhlerin, versucht, Mark zu verführen, und verliert schließlich ganz die Kontrolle über sich. Auch das soll Satire sein, eine augenzwinkernde Abrechnung mit einer Generation, die nicht erwachsen werden will. Doch die Gags sind meist so platt und peinlich, dass jeder weitere Gedanke über ­sie und jegliche Auseinandersetzung mit ihnen reine Verschwendung wären.

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