Kritik zu Battle of the Sexes

© 20th Century Fox

Die Regisseure des Indie-Überraschungshits »Little Miss Sunshine« verfilmen eine heute grotesk anmutende Anekdote aus den 70er Jahren, in denen Tennissport­geschichte und Frauenemanzipation zusammenkamen

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Gleiche Arbeit, aber unterschiedliche Bezahlung für Männer und Frauen, das ist bis heute gängige Praxis in vielen Bereichen. Dass allerdings das von der Tennisvereinigung ausgeschriebene Preisgeld für Männer bei 12 000 Dollar liegen soll, während die Frauen mit 1 500 Dollar abgespeist werden sollen, empört 1973 die amerikanische Profitennisspielerin Billie Jean King dann doch ganz besonders. Sie trat kurzerhand aus der männlich dominierten Association of Tennis Professionals aus und gründete die World Tennis Association der Frauen (WTA).

Auf den ersten Blick mag es überraschen, dass sich Jonathan Dayton und Valerie Faris in ihrem dritten Spielfilm nach »Little Miss Sunshine« und »Ruby Sparks« einem Sportereignis widmen. Doch bei näherer Betrachtung wohnt auch dieser Geschichte genau die Mischung aus subversiv schrägem Humor, liebevoller Milieuzeichnung, musikalischem Drive und einem feinen Gespür für die Absurdität zwischenmenschlicher Beziehungen inne, die auch durch diese Filme vibrierte.

Denn in den notorisch chauvinistischen 70er Jahren ist die »göttliche Ordnung« noch derartig zementiert, dass sich die Männer mit ihrer Argumentation nicht mal Mühe geben müssen. Unfassbar, was sie da zur Verteidigung der bestehenden Hierarchie so raushauen: Männern beim Spielen zuzuschauen sei einfach aufregender. Überhaupt seien sie eben schneller, stärker, ehrgeiziger, meint der Chef der Tennisvereinigung (Bill Pullman), und legt nach: Das sei ja nicht ihr Fehler, sondern einfach eine Frage der Biologie. Noch dreister sind die Parolen, die Bobby Riggs im Laufe seiner marktschreierischen Medienkampagne zum Besten gibt: »Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe Frauen – im Schlafzimmer und in der Küche.« Oder: »Ich sage nicht, dass Frauen auf dem Tennisplatz nichts zu suchen haben, wer würde denn sonst die Bälle aufsammeln?« Genauso wie er beim Treffen der anonymen Spielsüchtigen den Betroffenen vorhält: »Ihr seid nicht hier, weil ihr Spieler seid! Ihr seid hier, weil ihr furchtbar schlechte Spieler seid. Ihr müsst nicht aufhören damit, sondern besser werden!«

Steve Carell, der als selbstmordgefährdeter Bruder schon in »Little Miss Sunshine« dabei war, spielt diesen Bobby Riggs auf einer ähnlichen Wellenlänge wie den Ringermäzen John du Pont in »Foxcatcher«, mit bemerkenswertem Mut zur Überschreitung der Geschmacksgrenzen und mit einem aggressiv polternden Selbstbewusstsein, unter dem Spuren von Einsamkeit aufschimmern. Mit glatten schwarzen Haaren und feinrandig silberner Brille streift sich Emma Stone die Biografie der berühmten Tennisspielerin Billie Jean King über. Sie lässt die Figur zwischen eiserner Entschlossenheit auf dem Tennisplatz und im Kampf um Gleichberechtigung und einer zarten Verwunderung in privaten Dingen oszillieren. Denn parallel zu den öffentlichen Kämpfen erliegt sie dem Charme der jungen Friseurin Marilyn (Andrea Riseborough), eine Liaison, die sie aus sportstrategischen Gründen geheim halten muss.

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