Kritik zu Bang Boom Bang

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Beim Münchner Filmfest wurde der Nachwuchs-Förderpreis der Hypo-Vereinsbank wieder einmal zwischen der kommerziellen und der künstlerischen Ambition aufgeteilt, eine Hälfte ging an Peter Thorwarths »Bang Boom Bang«, die andere an Maren-Kea Freeses »Zoe«. »Bang Boom Bang« ist eine kommerziell vielversprechende, aufwendig in Szene gesetzte Kleinstadt-Groteske, »Zoe« das Low-Budget-Porträt einer ziellos in der Großstadt umherstreifenden jungen Frau, das kaum den Weg in die Kinos finden dürfte.

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Ein bestimmtes, an TV-Comedys adaptiertes jugendliches Publikum wird an »Bang Boom Bang« Gefallen finden. Der Film ist laut, krass, bedient das pubertätsspezifische Verlangen nach vermeintlich provokatorischer Vulgarität und macht aus einer Galerie kleinstädtischer Spießer-Ganoven grelle Lachnummern. »Bang Boom Bang« ist, wie es der Titel lautmalerisch andeutet, comic-hafter Klamauk. Angesiedelt in einer Ruhrpott-Vorortsiedlung mit Einfamilienhäusern der schäbigeren Art, ein Gruppenbild schräger Prolos: der bekiffte, verpennte Gelegenheitsgauner (Oliver Korittke), der mit Tätowierungen dekorierte Knacki (Heinrich Giskes), der fett-fies-korrupte Chef einer Speditionsfirma und Boss des örtlichen Fußballvereins (Diether Krebs), sein verschüchtertes Faktotum (Martin Semmelrogge), sein sexy Azubi (Alexandra Neldel, bekannt aus der Daily Soap »Gute Zeiten - Schlechte Zeiten«). Sie heißen auch wie Comic-Figuren, Keek, Kalle, Ratte, Schluck etc., und sind auf der Jagd nach dem schnellen Geld. Sie beschäftigen sich mit Bankraub, Pferdewetten, Falschgeld-Deals, Autoschieberei, Pornodrehs. Alles geht klamaukig schief. Ein Safe lässt sich nicht knacken, eine Leiche lässt sich nicht beseitigen.

In der Tonlage von TV-Comedys der schrilleren Art (zwischen "Al Bundy" und "Lämmermann") gehalten, bietet der Film eine Nummernfolge mehr oder minder zündender Gags. Beim Safeknacken gerät ein Daumen in die zuschlagende Tür, wird abgerissen und wieder angenäht. Der Schließfachschlüssel, nach dem alle suchen, befindet sich in der Speiseröhre der bereits verscharrten Leiche. Ein Karneval des vorsätzlich schlechten Geschmacks. Die Knalleffekte haben begrenzte Reichweiten. Oft machen die Gags weder Bang, noch Boom, nur Plop. Die Story schlingert anfänglich arg und hängt später mehrmals durch. Aber sie ist sowieso nur Aufhänger für die Gags.

Erfreulich ist Oliver Korittke als Keek. Er lümmelt am liebsten im Fernsehsofa, in der einen Hand den Joint, in der anderen die Fernbedienung, und könnte in dieser Position einen Film wie »Bang Boom Bang« als Albtraum-Eingebung empfangen haben. Er hat das Geld seines Kumpels verpulvert und ist zu hektischen Geldbeschaffungsmaßnahmen genötigt. Am Ende sind alle hinter ihm her - ein großer, allseitiger Amoklauf beginnt,

Ein zur Nummern-Groteske gestyltes Spießer-Panorama. Den Film durchzieht eine merkwürdige Atmosphäre: gemixt aus Gemütlichkeit und Panik, aus Vereinslokalmief und hysterischem Lachen. Das Lachen, auf das der Film hinaus will, hat nichts Befreiendes. Es ist wie mit jeder Menge Scherzartikel-Niespulver erzeugt.

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