Kritik zu American Sweatshop
Die deutsche Kamerafrau und Regisseurin Uta Briesewitz erzählt von einer jungen Content-Moderatorin, die nach der Sichtung eines verstörenden Videos versucht, gegen den Urheber vorzugehen.
Die 25-jährige Daisy jobbt als Content-Moderatorin in einem Großraumbüro. Von morgens bis abends muss sie dort die schlimmsten Videos im Internet sichten und mit einem Mausklick entscheiden, welche gelöscht und welche genehmigt werden – ein schmaler Grat, gerade weil nicht immer klar erkennbar ist, was real und was gestellt ist. Ihr Arbeitgeber hat zudem wenig Interesse, in langwierige juristische Auseinandersetzungen verwickelt zu werden, weil er entweder Verstörendes nicht entfernt oder das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzt hat.
Zentral sind im Film die Auswirkungen auf Menschen, die sich beruflich den ganzen Tag solchen Videos aussetzen müssen – das Thema behandelte 2018 bereits der Dokumentarfilm »The Cleaners«. Von den Videos selbst bekommen wir nur deren Titel zu sehen und/oder Töne zu hören. Anstatt auf explizite Schockwirkung zu setzen wie seinerzeit David Cronenberg in »Videodrome« – in dem die Videos noch über geheime Kanäle verbreitet wurden, anstatt für jeden frei verfügbar im Internet zu stehen – deutet »American Sweatshop« die verstörenden Bilder nur an. Das gilt auch für das Video mit dem Titel »Nailed it«, das Daisy eines Tages zu Gesicht bekommt und sie so sehr schockiert, dass sie ohnmächtig wird. Zunächst nur als Widerspiegelung in ihrem Auge zu sehen, lassen auch später gezeigte Ausschnitte im Unklaren, ob der Mann wirklich mit dem Hammer auf die Frau einschlägt, die reglos auf einer Matratze liegt.
Wenn Daisy schließlich eigenständig mit Nachforschungen über das Video beginnt und aktiv gegen den (vermeintlichen) Täter vorgeht, könnte sich der Film zum Rachethriller entwickeln, er stellt aber die beschädigte Psyche seiner Protagonistin in den Mittelpunkt. Eine gelungene Entscheidung der deutschstämmigen Regisseurin Uta Briesewitz, die hier, nach langjähriger Tätigkeit als Kamerafrau und Regisseurin im US-Serienbereich (u. a. »Stranger Things«, »Black Mirror«, »Severance«), ihr Spielfilmdebüt gibt.





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