Kritik zu Aisha Can't Fly Away

© Rapid Eye Movies

Morad Mostafas Regie­debüt erzählt vom müh­samen Alltag einer jungen Sudanesin, die vor dem Krieg in ­ihrem Heimatland nach Kairo geflüchtet ist

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Vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat, dem Sudan, ist Aisha nach Ägypten geflüchtet. Ihr Leben dort verläuft gleichförmig angestrengt, wie der Zuschauer gleich zu Beginn sieht, wenn die Steadycam ihr hautnah folgt, wie sie mit schnellen Schritten durch die Straßen läuft. Eine Agentur vermittelt der 26-Jährigen stundenweise Tätigkeiten als Reinigungs- oder Pflegekraft. Zu den wenigen Lichtblicken gehört Koch Abdoun, der ihr nach Feierabend in der verlassenen Restaurantküche die von ihr so geliebte Pasta auftischt und sie danach mit seinem Wagen nach Hause fährt. Auf sein Angebot, ihr einmal eine ägyptische Spezialität zuzubereiten, für die er das Rezept seiner Mutter hat, reagiert Aisha nicht. Dass Abdoun selbst unter Druck steht, bekommt Aisha eines Abends mit, als Abdouns Bruder ihn unter Anwendung von Gewalt auffordert, endlich der von der Familie arrangierten Hochzeit zuzustimmen. Als Aisha ihn das nächste Mal besucht, erfährt sie, er habe vor einer Woche gekündigt. Unter der Adresse, die sie bekommt, findet sie nur noch eine verlassene Wohnung.

Im akkuraten Festhalten der Tristesse dieses Lebens erschöpft sich der Film jedoch nicht: Ihren Vermieter muss Aisha regelmäßig mit Zweitschlüsseln der Wohnungen ihrer Arbeitgeber versorgen, die Zuka dann mit seiner Gang ausräumt. Als Aisha unter Verdacht gerät, droht Zuka ihr mit der Nachzahlung ihrer Miete – für das ganze vergangene Jahr. Zum anderen driftet Aisha immer wieder in Tagträume ab, mehrfach sieht sie einen Vogel Strauß vor sich: das etwas überdeutliche Titelsymbol – ein Vogel, der nicht fliegen kann. In einem anderen Tagtraum, der ungleich realer wirkt, ist Aishas Körper mehr und mehr von Narben übersät. Einzig ein Essen mit anderen schwarzen Frauen, die gemeinsam reden, lachen und später tanzen, vermittelt etwas Hoffnung. Doch eine neue Stelle bei einem alten Mann, der sie zusehends sexuell bedrängt, spitzt Aishas Lage zu. Alles scheint auf einen großen Knall hinauszulaufen . . .

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