Filmkritiken

Woche vom 14.01.2026

06.01.2026
Bewertung: 4
In drei Epochen tragen sich auf dem Campus der Philipps-Universität Marburg drei stille, heitere Abenteuer der Entdeckung zu. Sie alle kreisen um einen stattlichen Ginkgobaum, dem zuzuhören sich lohnt. Ildikó Enyedi inszeniert ihren Film als eine Sinfonie der Sinneswahrnehmungen – aufgeweckt, verblüffend und empfänglich für die leiseste Seelenregung. Nebenbei ist ihr ein Lockdown-Film gelungen, auf den man schon nicht mehr zu hoffen wagte.
06.01.2026
Bewertung: 3
Nicht ganz ernstzunehmende Bestsellerverfilmung um eine Haushaltshilfe, die mit dem gutsituierten Paar, bei dem sie unterkommt, so manch unerquickliche Überraschung erlebt. Alle lügen wie gedruckt und machen einander etwas vor. Die Handlung schlägt die dazu passenden Haken – und am Ende war alles ganz anders. Dabei geht es drastisch und überspitzt gegen konsumistische Propaganda und überkommene Geschlechterrollen.
05.01.2026
Bewertung: 4
Intensiver und elegant inszenierter Horrortrip um Mutterschaft der Österreicherin Johanna Moder mit einer herausragenden Marie Leuenberger als verzweifelte junge Mutter und erfolgreiche Dirigentin, die um das Vertrauen in sich selbst kämpft.
05.01.2026
Bewertung: 3
Im Regiedebüt von Carmen Emmi spielt Tom Blyth einen jungen Zivilpolizisten in den 90er Jahren, dessen Job es ist, schwule Männer auf öffentlichen Toiletten zu verhaften, während er sich noch mit seiner eigenen sexuellen Orientierung arrangieren muss. Was die Erzählstruktur oder visuelle Einfälle wie endlose VHS-Schnipsel angeht, ist »Plainclothes« ein wenig überinszeniert und auch nicht ganz frei von einigen in die Jahre gekommenen Klischees. Durch das in Sundance mit einem Preis bedachte starke Ensemble entwickelt der Film aber durchaus emotionale Wucht.