Kritik zu 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse

© Senator

2013
Original-Titel: 
00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse
Filmstart in Deutschland: 
10.10.2013
L: 
94 Min
FSK: 
6

Blanker Unsinn oder geniales Dilettantentum? Auch Helge Schneiders fünfter Spielfilm entstammt dem Paradox des widersinnigen Klamauks

Bewertung: 4
Leserbewertung
3.5
3.5 (Stimmen: 2)

Für einen Krimi zu spannungsarm, für einen Liebesfilm zu viele Männer in Frauenrollen, für ein Familiendrama zu wenig Familie, und für einen Tierfilm reichen leider ein Hund und ein Huhn nicht aus – also bleibt nur die Komödie, und die, so werden viele meinen, sollte doch wenigstens lustig sein. Doch wer bestimmt das eigentlich? Helge Schneiders neuer Kinofilm setzt sich selbstbewusst zwischen alle Stühle. Dorthin, wo man ihn inzwischen zuerst suchen würde. Dort kann er seine Komik ausbreiten und alle vor den Kopf stoßen. Denn sein Humor ist nicht auf den Witz aus. Das klingt zunächst paradox, doch Schneiders komische Kunst entzieht sich der Nacherzählbarkeit. Seine Pointen entstehen aus der Gegenwehr, er will dem Witz eher die Luft rauslassen, als Momente der unmittelbaren Lacherfolge zu liefern. Und das mit blauem Anzug, schrägen Mundwinkeln und einer 70er-Jahre-Tollenfrisur. Wer das nicht mag, muss draußen bleiben.

Allen anderen sei dieser Film bedingt empfohlen, bedingt deshalb, weil 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse nicht wirklich anders ist als seine vier Vorgänger und man nicht sieht, warum es neun Jahre gedauert hat, bis er wieder einen Film drehte. Eine Frage, auf die man auch von ihm sicher keine brauchbare Antwort erhalten wird. Das Klare, Eindeutige, Praktische oder gar Perfekte ist Helge Schneiders Sache nicht. Er spielt wie ein kleines Kind mit Albernheiten, mischt die Comedyszene auf und bleibt damit jenseits der Kritik. Schneider entzieht sich.

Die Handlung wiederzugeben, ist so absurd wie unangenehm. Der gealterte Kommissar 00 Schneider (Helge Schneider) übernimmt kurz vor der Pensionierung noch einmal einen Fall. Ein Tabakladen wurde überfallen, Rentnern wurden Zigaretten geraubt, ein Huhn wurde entführt. Tatverdächtig ist der Kettenraucher Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni), ja, der heißt tatsächlich so, wird aber im Gangsterjargon »Die Eidechse« genannt. Außerdem kommt noch Schneiders Tante aus Amerika (Tyree Glenn Jr.) zu Besuch, die sich als dämlicher Trickbetrüger entpuppt. Schneider löst die Fälle mit Narrenglück und wird am Ende selbst zum Opfer. Schlimmer kann eine Handlung kaum sein.

Doch darum geht es bei Schneider nicht. Man schaut ihm äußerst amüsiert zu, wie er alle im Regen stehen lässt. Wie er durch die spanische Landschaft fährt und dafür einen nicht unbeträchtlichen Teil seines 550 000-Euro- Fördergeldes ausgibt, wie er als Verkehrspolizist in Mülheim an der Ruhr den Autos zupfeift, mit seinem Hund durch die Straßen schleicht, mit Trenchcoat und überdimensionaler Sonnenbrille. Wie er in der 70er-Jahre- Neubauwohnung haust, unter der grellen Schreibtischlampe nach Indizien sucht und schließlich das Monster dingfest macht. Schneiders Film gibt sich ganz bewusst ohne Sinn und Verstand. Die Parodie, die ins Leere läuft, hat Helge Schneider zur Spitze des Inhaltlosen getrieben. 00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse ist wie Helge Schneiders Musik: frei von jedem Hitverdacht und doch ein Heidenspaß für alle Menschen, die genug Selbstironie besitzen, um sich gern mal verarschen zu lassen.

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