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Der Film ist gemeinsam entstanden von Pavel Talankin und dem professionellen Regisseur David Borenstein. Man spürt für mich sehr deutlich, wie stark die professionelle Regie in Dramaturgie und Erzählweise eingreift. An manchen Stellen wirkt das auf mich eher aufgesetzt, fast wie ein westlich lesbares Narrativ, das dem Material übergestülpt wird. Dadurch verliert der Film für mich an Offenheit und Spannung und kippt stellenweise sogar in Richtung Propaganda für westlicher Wahrnehmung.
Zum Vergleich: "A Fox Under a Pink Moon" von Mehrdad Oskouei, ebenfalls aus jahrelangem Protagonistin-Material entstanden, empfinde ich als viel eigenständiger und weniger gelenkt.

In diesem Film wird der angebliche Ich-Erzähler von einer externen Regie extrem stark manipuliert. Ich habe letzte Woche mit Pavel sprechen können und er hatte einen komplett anderen Film vor Augen. Stattdessen wird er zu einer heldenhaften Widerstandsfigur hochstilisiert. Die er aber gar nicht ist. Sein größter Akt des Widerstandes ist, dass er eine russische Fahne auf dem Schuldach flach hinlegt (als niemand zuschaut) und sich dabei selbst filmt. Pavels Idee zum Film ist gut, eigentlich wollte er die Propaganda im russischen Schulsystem dokumentieren. aber durch die Regie, die ihn zum Helden, zum David, der Goliath bekämpft, aufbauen will, wird der Film sehr, sehr manipulativ. In Frankreich gab es dafür standing ovations.

Ich war bei der Oscar-Vorauswahl-Vorstellung in Berlin, wo der Film vorgeführt wurde, beide Regisseure waren anwesend für Q&A. Der Eindruck des Helden hat defensiv der Borenstein gemacht, ganz abgesehen von seinem, sorry, immer nervigen Lächeln, hat er alle fragen beantwortet, während Pavel kaum was erzählte. Dort habe ich übrigens auch von der Rohschnitt Fertigstellung erfahren. Für mich ist es nicht Pavels Film, sonder der von David.

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