Aktuelles
19.05.2026
Hollywood fehlt, doch Pawlikowskis »Vaterland« mit Sandra Hüller begeistert, und Hamaguchis »Soudain« erfüllt mit Hoffnung.
15.05.2026
Nathalie Baye war eine der vielseitigsten französischen Schauspielerinnen ihrer Generation – graziös, klug und nie einzuordnen. Ein Nachruf auf eine Ausnahmekünstlerin.
11.05.2026
Die 79. Filmfestspiele in Cannes eröffnen mit »The Electric Kiss«. Im Wettbewerb um die Goldene Palme kämpft auch Valeska Grisebach – und Paweł Pawlikowski erzählt eine deutsche Geschichte.
10.05.2026
Julia Windischbauer, 29, Schauspielerin aus Österreich, arbeitet am Theater (u. a. Burgtheater Wien) und stand bereits während des Studiums vor der Kamera. Zu ihren Filmcredits zählen Anna Rollers Kurzfilm »Gör«, Elena Wolffs »Para: Dies« und »Sonnenplätze« von Aaron Arens. 2025 kam ihr Regiedebüt »Callas, Darling« heraus. In der Arte-Miniserie »Etty« spielt sie die Hauptrolle.




Verfilmung Bonhoeffer
Der Film „Bonhoeffer“ stammt aus einem Paralleluniversum mit vielen fehlenden und alternativen Fakten. Ich dachte bei der Vorführung sogleich an die sinfonische Dichtung „Ein Heldenleben“ von Richard Strauß (1864-1949; 1898). Der Film ist auch deshalb nicht biographisch, weil er dazu zu viele Lücken hat, und sonst sind nur Perioden aus dem Leben aneinandergereiht, wenn nicht Stereotypen oder gar Klischees. Es fehlen eine Entwicklung und ein innerer Spannungsbogen. Schon das Drehbuch hätte bei weitem besser sein können.
Bonhoeffer wurde im KZ Flossenbürg gehenkt, im Film liegen Ort und Umstände anders. Nein, so geht es nicht! Wo bleibt Bonhoeffers jugendliche Verlobte Maria von Wedemeyer (1924–1977; Verlobung 1943)? Wo ist das „Hausgefängnis“ der GeStaPo in der ehemaligen Prinz-Albrecht-Straße? Bonhoeffer bleibt bis in den Tod ein pausbäckiger Student … ein Chargierter aus dem Corps Ecclesia? (Nicht sein Tübinger Igel!)
Dieser Film als eigenständiges Kunstwerk fragwürdiger Qualität kann sich weder mit der Biographie von E. Bethge (München: Kaiser 1968) messen noch kann er mit der Verfilmung aus dem Jahr 2000 (mit Ulrich Tukur) verglichen werden. Es handelt sich eher um einen Spiel- als um einen Dokumentarfilm. Der Mischung von Pfarramt, Agententätigkeit und Widerstand fehlt aber die Brisanz, Bonhoeffer war kein James Bond der christlichen Kirche. Teile der protestantischen Kirchen hier und in den USA feiern recht gerne ihren politischen Widerstand. Ein Erbauungsfilm?
Es waren bei der Vorführung (18:00 Uhr) übrigens nur fünf Besucher im Kino einer süddeutschen Groß- und Studentenstadt anwesend. (Und die Stadt war auch nicht Bonhoeffers Studienort Tübingen.)