Überraschung aus China am letzten Tag des Wettbewerbs

»So long, my son« von Wang Xiaoshuai
»So long, my son« (2019). © Li Tienan / Dongchun Films

Am letzten Tag des Wettbewerbs – ja das ist schon heute, am Donnerstag, weil Zhang Yimous Film »One Second« aufgrund von Problemen bei der Postproduktion nicht laufen konnte – also 3 Tage vor Schluß des Festivals kommt ein Film, der noch einmal überrascht. Über 3 Stunden in vielfachen Rückblenden und Zeitsprüngen erzhält Regisseur Wang Xiaoshuai eine Familiengeschichte über mehrere Jahrzehnte. Bereits 2001 stellte er einem Film im Wettbewerb der Berlinale vor. »Beijing Bicycle« allerdings war nicht nur eine Stunde kürzer, sondern eine humorvolle Geschichte über ein Fahrrad und dessen zwei rechtmäßige Besitzer. Dazwischen steht ein unbekannter Dieb, der im Film keine weitere Rolle spielt. Beeindruckend war an diesem Film nicht nur seine humorvolle Art, mit dem Schicksal seiner Protagonisten umzugehen, sondern auch sein Blick auf das moderne China zwischen Vorschriften und individueller Freiheit. Dafür erhielt er einen silbernen Bären.

Sein neuer Film nun, »So long, my son« beginnt mit einem Unfall. In einem Stausee ertrinkt ein Junge, während sein bester Freund und Quasi-Zwilling, beide wurden in derselben Woche geboren, erschüttert zuschaut. Dann springt der Film in die 80er Jahre, in eine Zeit, in der die Ein-Kind-Familie mit aller Kraft durchgesetzt werden sollte. Die Vorarbeiterin in der Fabrik zwingt eine junge Mutter ihr zweites Kind abzutreiben und zeichnet sie dann mit dem Preis für Familienplanung aus. Doch bei der Abtreibung gibt es Probleme, so dass sie nie wieder wird schwanger werden können. Nun unterstellt der Film nicht, dass man ein Kind durch ein anderes ersetzen könnte, aber hier versuchen es die trauernden Eltern. Trotz der Adoption wird der Verlust dieser Familie zum schicksalsbestimmenden Moment. Freundschaften zerbrechen, das Leben mit dem neuen Kind geht schief, familiäre Zusammenhänge verlieren sich im Utopischen. Dabei ist der Film deutlich kritisch und wird so manchem in der Zensurbehörde Chinas nicht gefallen haben. Er allerdings mußte keine Probleme in der Phase der Postproduktion erleben. Mal sehen ob es wieder für den silbernen Bären reicht. 

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