ARD-Mediathek: »Prisoner«

»Prisoner« (Serie, 2026). © Sky UK

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Eine junge Justizbeamtin muss einem ehemaligen Auftragskiller und ­Kronzeugen auf der Flucht vor seinen früheren Auftraggebern beistehen

Gerade einmal sechs Monate ist es her, dass Amber Todd (Izuka Hoyle) Mutter wurde, doch zu Beginn der Serie »Prisoner«, die ab dem 19. Juni für drei Monate in der ARD-Mediathek zu sehen ist (und am 24. und 26. Juni auch linear im Ersten ausgestrahlt wird), geht es für die junge Justizbeamtin wieder zurück zur Arbeit. So schwer es ihr fällt, Ehemann Olly (Finn Bennett) und die kleine Mia allein zu lassen, so gerne kehrt sie in den Job zurück, hat sie doch ehrgeizige Träume von einer Karriere als Kriminalpsychologin. Allerdings ahnt sie noch nicht, dass ihr gleich am ersten Tag alles andere als Routine bevorsteht.

Mitsamt ihrem Kollegen wird Amber zu einem kurzfristigen, dringlichen Gefangenentransport abbestellt, doch um wen es sich bei dem Mann handelt, der dieser von Matt Charman erdachten Serie ihren Titel gibt, wird ihnen zunächst vorenthalten. Tibor Stone (Tahar Rahim) war lange ein gefährlicher Auftragskiller für ein Verbrechersyndikat namens Pegasus, nun soll er als Kronzeuge gegen dessen mutmaßlichen Boss Harrison Dempsey (Brían F. O'Byrne) aussagen. Dass Dempseys Handlanger*innen – allen voran sein Sohn Declan (Laurie Davidson) sowie die von Tibor angelernte Killerin Nina (Leonie Benesch) – alles daransetzen, sein Erscheinen vor Gericht zu verhindern, versteht sich von selbst. Und so kommt es, wie es in Actionthrillern mit solcher Prämisse kommen muss: Es dauert nicht lange, bis Amber und Tibor gemeinsam wider Willen auf der Flucht sind, verfolgt nicht nur von den Pegasus-Schergen, sondern auch vom Ermittlungsteam der National Crime Unit, in der es unter der Führung von Alex Tebbit (Eddie Marsan) und dessen Vorgesetzter (Catherine McCormack) allerdings eine undichte Stelle zu geben scheint.

Über sechs Episoden zieht sich die erste Staffel dieses von den britischen Sky Studios in Zusammenarbeit mit der ARD Degeto produzierten Actionthrillers, eine zweite ist bereits bestellt. Letzteres verwundert nicht, denn Charman, der für sein Drehbuch zu Steven Spielbergs »Bridge of Spies« für den Oscar nominiert wurde, bewies zuletzt schon mit Serien wie »Treason« und »Hostage«, dass er sich auf die Welt von Geheimdiensten, Regierungsbehörden und Auftragsmördern versteht. Auch im Fall von »Prisoner« legt er ein Händchen für effektives Erzählen in diesem Genre an den Tag: Langweilig geht es hier nicht zu.

Dass die größtenteils in Wales entstandene Serie trotz eines sicherlich überschaubaren Budgets ziemlich ordentlich aussieht und ein paar mitreißende Actionszenen zu bieten hat, liegt auch daran, dass mit Otto Bathurst und der Grimme-Gewinnerin Pia Strietmann zwei versierte Auftragsregisseur*innen die Folgen unter sich aufgeteilt haben. Überhaupt ist bei »Prisoner« viel Talent am Start, angefangen beim Ensemble. Hoyle, die schon Nebenrollen in »Boiling Point« oder der wundervollen Serie »Big Boys« hatte, ist eine charismatische Neuentdeckung und Rahim ohnehin längst in der Speerspitze von Europas eindrucksvollsten und intensivsten Schauspielern angekommen. Nur Leonie Benesch, die bereits vor ihrem viel beachteten dreifachen Kinoerfolg (»Das Lehrerzimmer«, »September 5« und »Heldin«) gern gesehener Gast in seriellen europäischen Koproduktionen war, ist in ihrer Rolle ein wenig unterfordert.

Tatsächlich sind die Drehbücher die große Schwäche von »Prisoner«, nicht nur, weil sie die Komplexität und Abgründigkeit der Figuren (allen voran Tibor Stone) nur sehr bedingt ausloten. Zwar werden neben allzu erwartbaren Plot-Versatzstücken (der Protagonist braucht Insulinspritzen! Im Hintergrund lauert eine rechtsterroristische Verschwörung!) ausreichend Twists aufgefahren. Darüber, dass einzelne Handlungsstränge immer wieder in Vergessenheit zu geraten scheinen, nur um bei Bedarf doch wieder aufgenommen zu werden, lässt sich aber ebenso wenig hinwegsehen wie über zahlreiche, riesige Glaubwürdigkeitsprobleme und Logiklöcher in der Handlung. Oder die Tatsache, dass im übereilten Finale die spannendsten Momente gar nicht gezeigt werden.

OV-Trailer

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