RTL+: »Hacks« Staffel 2

»Hacks« (Staffel 2, 2022). © RTL+

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Und jetzt ganz ehrlich

»It's a new life for me and I'm feeling good«, war Nina Simone ganz am Ende der ersten Staffel von »Hacks« zu hören, der Serie über das holprige bis tumultige Verhältnis einer taffen Stand-up-Comedy-Legende, Deborah Vance (Jean Smart), und einer etwas verpeilten jungen Comedy-Autorin, Ava Daniels (Hannah Einbinder). Der Song war, wie so vieles in dieser mit Gusto Ambivalenzen austarierenden Dramedy, ein sarkastisch schöner Widerspruch zum Geschehen.

Denn gerade saßen Deborah und Ava nach einer emotionalen Aussprache im Privatjet, um es doch noch mal als Team zu versuchen und Deborahs neue One-Woman-Show, die sie konfliktreich gemeinsam entwickelt haben, »on the road« zu testen. Ein kurzer Moment der Harmonie und Vorfreude, da klingelt Avas Telefon und Manager Marc (Carl Clemons-Hopkins) teilt ihr entsetzt mit, dass die Wutmail an eine Journalistin, in der sie über ihre Chefin herzieht, publiziert werden wird. Mit diesem Twist endete eine der besten Serien des Jahres 2021, die das deutsche Publikum mit reichlich Verspätung vergangenen September auf RTL+ entdecken konnte.

Die zweite Staffel setzt nahtlos an diesen Schrecken an. Unsanft landet der Flieger in Las Vegas und Ava zittert, bis sie wieder Empfang hat. Doch noch ist die Bombe nicht hochgegangen; das Damokles-Schwert hängt noch eine Weile über ihr, während sich Deborah enthusiastisch auf ihre Tour durch kleinere Clubs vorbereitet. Sie will so ihr neues Rohmaterial testen, in dem sie sich traut, mehr von sich preiszugeben. In acht Episoden geht es nicht nur mit dem Crew-Bus quer durch die USA, sondern auch ziemlich auf und ab, bis zu einem Finale, das zum Triumph und Showdown zugleich wird.

Gerade ihre Macken und Schwächen, die Reibungen zwischen Deborahs Egozentrik und Avas Narzissmus, machen die beiden so bezaubernd und zum platonischen Traumpaar. Kabale und Liebe. Das liegt an den exzellenten Drehbüchern der Serienmacher Lucia Aniello, Paul W. Downs und Jen Statsky, die zwei komplexe Frauenfiguren unterschiedlicher Generationen und herrlich fiesen, bisweilen schmerzhaften Humor mit dem richtigen Timing verbinden und dabei mit emotionaler Wahrhaftigkeit erzählen, was es heißt, als Frau in der männerdominierten Unterhaltungsbranche zu bestehen. Trotz aller Differenzen entsteht ein gegenseitiger Respekt, der beide wachsen lässt. Auch wenn das heißt, getrennte Wege zu gehen.

Wie im Stand-up ist das geschriebene Wort nur die halbe Miete, auf die Performance kommt es an. Und die beiden Hauptdarstellerinnen liefern, dass einem die Tränen kommen. Für die zweite Staffel wurde Jean Smart erneut und völlig verdient mit dem Emmy ausgezeichnet. Season 3 ist bereits in Produktion und auch wenn Deborah weiter an sich arbeiten wird, dürfte es wieder ein ziemlicher Ritt werden: Jean Smart hatte bereits Fahrstunden mit einem Bulldozer.

OV-Teaser

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