DVD-Tipp: »The Tiger – Legende einer Jagd«

Mensch und Tier

Kaum vorstellbar, dass es mal eine Zeit gab, in der die unerbittliche Jagd auf ein wildes Tier einfach nur als unterhaltsames Abenteuer goutiert, der Kampf zwischen Mensch und Tier in erster Linie als spannende Unterhaltung wahrgenommen wurde, so wie 1956, als Gregory Pecks Captain Ahab den weißen Wal Moby Dick durch die Meere hetzte. Kein Zweifel, das Tier war böse und gefährlich und musste erlegt werden. 

Wenn dagegen heute am Anfang von »The Tiger« ein japanischer General den Befehl ausgibt, es müsse auch der letzte noch lebende Tiger in den koreanischen Bergen erlegt werden, ist sofort klar, wer hier die Bösen sind. Es ist eine Form von Genozid und ein symbolischer Akt: Alles, was frei und wild ist im besetzten Land, soll vernichtet werden. So wie Park Hoon-jung diese Geschichte erzählt, ist sie nicht nur Kriegsepos und Jagdabenteuer, das in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts spielt, sondern auch eine Parabel über das heutige Verhältnis des Menschen zur Natur, deren Macht und Schönheit der Film in grandiosen Bildern feiert. Und der im Computer geborene Tiger ist ein monströses Biest, das in den Wäldern wütet und in kürzester Zeit ganze Jagdgruppen zerfetzt, zugleich aber auch ein majestätisches Tier, das Respekt verdient. 

Diesen Respekt zollt ihm der alte Jäger Man-deok (Choi Min-sik aus »Old Boy«), obwohl er allen Grund hätte, sich an ihm zu rächen. Als die Söldner des Waldes den einsam mit seinem Sohn in einer Hütte in den Wäldern lebenden Kräutersammler um Unterstützung bitten, lehnt er zunächst ab. Erst als der Teenager in einem Akt der Rebellion in den Krieg gegen den Tiger zieht, bleibt ihm nichts anderes übrig, als ihm zu folgen. Die Natur ist dabei auch der Kitt, der den Film zusammenhält, der mit all seinen Nebenhandlungen und Rückblenden in viele Teile und Stimmungslagen zu zerfallen droht. Vom Kriegsfilm wird er zum epischen Abenteuer, vom dramatischen Kampf eines Mannes gegen die Natur zum leisen Vater-Sohn-Konflikt. Mal setzt er auf Drama und Action, um im nächsten Moment wie ein poetisch überhöhtes Märchen zu wirken.


Daeho Südkorea 2015. R: Park Hoonjeong. Da: Choi Min-sik, Jung Man-sik, Kin Sang-ho, Sung Yoo-bin. Anbieter: Pandastorm.
VÖ: 29. April 2022

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