Streaming-Tipp: »The Kominsky Method«

»The Kominsky Method« (2018). © Netflix

»The Kominsky Method« (2018). © Netflix

Good old odd couple

Kirk Douglas und Burt Lancaster drehten 1986, da waren sie Anfang 70, die Komödie Archie und »Harry – Sie können's nicht lassen« über zwei alte Gauner, die sich in einer veränderten Welt zurechtfinden müssen. 32 Jahre später tritt Michael Douglas in die Fußstapfen seines Vaters. In der Netflixserie »The Kominsky Method« spielt der 74-Jährige zwar keinen Ganoven, aber einen Hallodri, der auch nicht mehr recht weiß, wo er im Leben steht: Der Schauspieler Sandy Kominsky hat die besten Zeiten seiner Karriere längst hinter sich, sein Geld verdient er mit Schauspielkursen für Studenten. Sein bester Freund ist sein langjähriger Agent Norman Newlander, gespielt von Alan Arkin, der mit seinen 84 Jahren eine verblüffende Vitalität ausstrahlt. Die beiden sind ein herrliches Gespann, und einen beträchtlichen Teil ihres Charmes zieht die Serie aus diesem Zusammenspiel zweier großer Schauspieler und ihrem verbalen Schlagabtausch. Michael Douglas wird mit zunehmenden Jahren immer charismatischer, aber Arkin ist der heimliche Star der Serie: Er spielt Newlander als Hollywoodurgestein vom alten Schlag, mit Maßanzug und Manschettenknöpfen, barsch im Ton und schonungslos direkt, immer wieder aber auch von anrührender Sensibilität. Arkin hat ein unvergleichliches Talent, Pointen nicht im Stil eines beifallheischenden Comedians loszulassen, sondern ganz beiläufig, als würde man ihm beim Denken zuhören.

Gleichwohl ist »The Kominsky Method« keine Sitcom, wie die Filmografie des Machers Chuck Lorre (»Two and a Half Men«) vielleicht vermuten lässt. Er zeigt hier eine sehr gekonnte Gratwanderung zwischen Komik und Tragik, zwischen Hollywood-Insidergags (Elliott Gould hat einen wundervollen Gastauftritt) und abgeklärten Beobachtungen über das Altern. Dass Sandy und Norman zur gerne gescholtenen Gruppe der »alten, weißen Männer« gehören, macht sie als Sympathieträger umso erfrischender – und dass ihnen allmählich klar wird, wie rasant die Welt an ihnen vorbeizieht, gehört zu den hintergründigen Finessen der Serie. Von Larmoyanz gibt es dabei dankenswerterweise keine Spur, der Tonfall ist weniger melancholisch als vielmehr ironisch. Trotzdem nimmt die Serie Sandy und Norman ernst. Es geht um männliche Eitelkeit und das Erkennen der eigenen Bedeutungslosigkeit – und nicht zuletzt um Prostataprobleme. Aber auch um den Tod und die Angst vor der Einsamkeit. An dieser Stelle kommen die Frauen ins Spiel: Sandys erwachsene Tochter Mindy (Sarah Baker), seine neue Flamme Lisa (Nancy Travis) und Normans Ehefrau Eileen (Susan Sullivan), an deren Tod er beinahe zerbricht, und mit deren »Geist« er regelmäßig Zwiesprache hält. Drei gestandene Frauen, die dem Narzissmus der beiden Kerle mit klarem Kopf und trockenem Realismus begegnen. Sie geben Sandy und Norman, aber auch der ganzen Serie die nötige Erdung. Es ist schon ironisch: Viele Netflixserien sind wie ein Versprechen, das am Ende nicht recht eingehalten wird, aber von »The Kominsky Method« wurden zunächst nur acht Folgen produziert. Ein Jammer.

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