Soll man sich so an sie erinnern?

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Unsere "steile These" des Monats August

Die alten Lateiner wussten: De mortuis nil nisi bene – Über die Toten soll man nur Gutes ­reden. Leider konnten sie nicht in die ­Zukunft schauen und also auch nichts vom Film wissen. Sonst hätten sie bestimmt ­darauf hingewiesen, dass man die Toten ebenfalls nur gut darstellen soll. Da hat es in hundert Jahren Filmgeschichte schon schlimme Missgriffe gegeben. Christopher Plummer als Inka-König Atahualpa, Katja Flint als Marlene Dietrich, Hildegard Knef als Katharina die Große... 

Mit Interesse liest der Filmfreund nun die Credits des neuen Films über das Leben von Rainer Werner Fassbinder. Die Volksschauspielerin Brigitte Mira mit Eva Matthes, einem Geschöpf des Regietheaters der 1970er, zu besetzen, nun ja. Aber die üppige, warmherzige Bayerin Barbara Valentin ausgerechnet von der dünnen, schlecht gelaunten Preußin Désirée Nick (Bild) spielen zu lassen... Das tut schon beim Lesen weh. Auffällig ist, wer alles nicht vorkommt: Margit Carstensen, Ingrid Caven, Irm Hermann. Haben alle Damen sich ihre Darstellung von Mindertalentierten verbeten? Irm Hermann noch vor ihrem Tod? Hier bietet sich ein ganz neues Betätigungs­feld für alerte Anwälte: Vorsorge für ­Personen des öffentlichen Lebens treffen, um zu ­ver­bieten, sich von unliebsamen Schauspielern dar­stellen zu lassen. Dann muss es nicht so weit kommen wie im Fall der Miniserie »The Feud«. Olivia de Havilland konnte der Darstellung ihrer selbst durch Catherine Zeta-Jones nichts abgewinnen, hat geklagt und damit eine Damnatio memoriae ausgesprochen – die Serie ist vom Markt verschwunden. Hoffen wir, dass »Enfant terrible« von Oskar Roehler (trotz der Besetzungsmissgriffe) in die Kinos kommt und Hanna Schygulla keine Klage einreicht, wenn sie ihre Persönlichkeit durch Frida-Lovisa Hamann zur Kenntlich- oder ­Unkenntlichkeit entstellt sieht.

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