So leicht? Da stimmt was nicht

Unsere "steile These" des Monats April
»Mogambo« (1953). Foto: Getty Images/Archive Photos

»Mogambo« (1953). Foto: Getty Images/Archive Photos

Locker geht Dauerflieger George Clooney mit seinem Rollkoffer durch die Flughafenhalle, seine Gedanken »Up In the Air«. Auch der Koffer scheint schwerelos zu sein. Verdächtig leicht bewegt er sich mit dem federnden Schritt Clooneys. Da ist gar nichts drin! Und wenn einem das einmal aufgefallen ist, kann man nicht mehr darüber hinwegsehen. Plötzlich tauchen sie in jedem zweiten Film auf: Gepäckstücke, Koffer, Akten- und Handtaschen, die substanzlos wirken und flach. Das Phänomen ist bei der Berliner Schule (Barbaras Ledertäschchen) ebenso anzutreffen wie im klassischen Hollywood (unser Bild: »Mogambo«) oder im modernen Blockbusterkino (die Hartschalenkoffer, mit denen Amidala und Anakin in »Angriff der Klonkrieger« nach Naboo reisen).

Bei den Koffern kann man sich einen Grund für die sparsame Innenausstattung noch vorstellen. Wenn man zehn Takes mit vollen Koffern machen muss – Regie, könnten Sie hier gerade mal einblenden, wie James Stewart in »Mr. Hobbs macht Ferien« mit der Komplettausstattung einer Großfamilie die Treppe hinaufkeucht? –, dann ist das stressig für den Darsteller und wirkt sich aufs Spiel aus. Aber sonst? »Careless filmmaking«, antwortete mir mal eine Regisseurin auf die Frage, warum in einer Szene ein vollkommen unmotiviertes IRA-Logo zu sehen war. Der Schriftzug war einfach da. So etwas passiert, und meist verzeiht man es als Zuschauer.

Doch der leere Koffer ist kein Zufall, keine reine Fahrlässigkeit, sondern ein Konzept. Als hätten sich alle Set-Designer und Regisseure abgesprochen, die Leere einfach zu übersehen und dem Zuschauer zuzumuten, dass die Illusion, um die es ja in fast jedem Film geht, platzt wie eine Seifenblase. Bösartige Ignoranz wäre der Vorwurf, sinnlose Überhöhung des Irrealen in der Welt des schönen Scheins, ein »ist doch egal« im Breitwandformat. Und wenn man feministischen Filmtheoretikerinnen glaubt, dass die Handtasche der Frau ein Sinnbild für die Vagina ist, eine Höhlung voller ungeheurer Überraschungen, dann wäre die leere Tasche gar eine Form der weiblichen Kastration. Aber so weit will man dann doch nicht gehen.

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