»Game of Thrones: Eastwatch« (S07E05)

Statt dem atemberaubenden Ende von »The Spoils of War« einen drauf zu setzen, nimmt sich »Eastwatch« zurück, fokussiert sich ganz auf die Konsequenzen der Field of Fire-Schlacht und trifft alle nötigen Vorbereitungen, um in den finalen zwei Folgen mit voller Wucht zuzuschlagen.

Langsam schreitet Tyrion das Feld der Verwüstung ab und macht sich ein Bild der wilden Zerstörungskraft der Drachen. Dass Dany ihren Eroberungsfeldzug durch Westeros mit ihrer Armee und den drei geflügelten Massenvernichtungswaffen gewinnen wird, ist spätestens nach der grausigen Machtdemonstration in »The Spoils of War« klar. Die große Frage der siebten Staffel ist nicht, ob Dany den Krieg gewinnen wird, sondern wie. Zu Beginn hat Tyrion die Drachenmutter dazu überredet, humanistisch zu kämpfen – mit desaströsen Folgen. Nun hat Daenerys ihre moralischen Ketten abgelegt und versucht, das Land nicht mit Liebe und Barmherzigkeit zu gewinnen, sondern mit Furcht und Stärke zu unterwerfen. Die Showrunner überlassen es dem Zuschauer, zu entscheiden, welche Herangehensweise die bessere ist.

Angesichts dieser moralischen Zwickmühle ist die Rolle von beratenden Figuren wie Tyrion oder Varys wichtiger denn je. In einer starken Dialogszene zwischen den beiden im leeren Thronsaal von Dragonstone appelliert der besorgte Eunuch an die Hand der Königin, einen Weg zu finden, Dany zu besänftigen. Nicht nur, um das Land vor großen Katastrophen zu bewahren, sondern auch um Dany vor sich selbst zu retten. In ihrem erbitterten Krieg werden sich die Drachenmutter und Cersei immer ähnlicher. Beide streben die absolute Kontrolle über Westeros an: Entweder man unterwirft sich oder wählt den Tod, wie der unglückselige Lord Randyll Tarly und sein Sohn. Weil sie sich nicht einer fremden Invasorin beugen wollen, verurteilt Dany sie zum Tode durch Drogons Flammen. Ein brutaler, wenn auch schneller Tod, der nichtsdestotrotz unliebsame Erinnerungen an den Mad King weckt. Zum Abschluss wiederholt Dany ihre Äußerung, das Rad der Macht in Westeros brechen zu wollen – mit Gewalt, die doch dessen einzige Antriebskraft ist.

Durch Bronn vor dem Tod durch Feuer und Wasser gerettet, berichtet Jaime in King’s Landing indes von Danys Übermacht. Selbst Cersei muss erkennen, dass ein militärischer Sieg gegen die Drachenkönigin ausgeschlossen ist. Doch an Aufgeben ist nicht zu denken. Sie tut, was sie am besten kann: Intrigen spinnen. Auch in Winterfell werden eifrig Ränke geschmiedet. Angesichts von Jons andauernder Abwesenheit und Sansas hervorragendem Regierungsgeschick zweifeln die Lords und Ladies daran, die richtige Person zum Herrscher des Nordens gekrönt zu haben. Die wachsende Verunsicherung macht sich Littlefinger zu nutzen, um nach der Macht zu greifen. Sein größtes Hindernis bilden die Starkkinder, die er mit präzise gesätem Misstrauen versucht, auseinanderzubringen. Da er bei Bran keinen Erfolg hatte, wendet er sich Arya zu. Er füttert sie bewusst mit auserwählten Informationen, um ihr den Verdacht in den Kopf zu setzen, dass Sansa ihre Familie aus egoistischen Gründen verraten wird. Tappt Arya in Littlefingers Falle und wendet sich gegen ihre Schwester?

Vertrauen und Verrat bilden die Leitmotive in »Eastwatch«. Alte Allianzen werden auf den Prüfstand gestellt, unliebsame Bündnisse unter Feinden herausgefordert. Während niederträchtige Figuren wie Cersei oder Littlefinger die Menschen aus ihrer Umgebung mit ihren Lügen manipulieren und gegeneinander aufbringen, setzt Jon ein Zeichen für Aufrichtigkeit und Zusammenhalt. Mittlerweile genießt der King of the North nicht nur Danys Vertrauen, sondern auch das ihrer Drachen. Bei der Rückkehr nach Dragonstone erkennt Drogon in Jon einen Freund, vielleicht sogar einen weiteren Targaryen, und lässt sich von ihm den Kopf streicheln. Wird Jons wahre Herkunft zum Ende dieser Staffel noch herauskommen? Immerhin entdeckt Gilly ganz nebenbei in den Aufzeichnungen von Oldtown, dass Jons wahrer Vater, Prinz Rhaegar Targaryen, seine Ehe annullierte, um eine zweite im Geheimen zuschließen. Das macht Jon noch vor Dany zum legitimen Erbe des Eisernen Thrones. Wie das Schicksal so will, wird die wahrscheinlich größte Enthüllung in der Seriengeschichte von Gilly und Sam einfach übergangen, während das Internet binnen weniger Sekunden förmlich eskalierte.

Zurück nach Dragonstone. Angeregt von Jons Warnung vor den White Walkers schlägt Tyrion einen unglaublichen Plan vor: Statt Cersei zu vernichten, will er sich mit den Kräften aus King’s Landing verbünden, um die Armee der Untoten aufzuhalten. Dafür unternimmt er mit Davos‘ Hilfe einen Kurztrip nach King’s Landing, um Jaime als Mittelsmann für die Verhandlungen mit seiner Schwester zu gewinnen. Tatsächlich kann er den Königsmörder überzeugen, Danys Forderungen für einen vorzeitigen Waffenstillstand an Cersei zu übermitteln. Die Königin sieht darin jedoch ihre Chance, ihre Kontrahentin zu hintergehen und den Konflikt für sich zu entscheiden. Verrat und Tücke sind in Westeros der schnelle Weg zum Erfolg. Am Ende wird jedoch der auf dem Thron bleiben, der Andere von seiner Sache überzeugen und als bedingungslose Anhänger gewinnen kann. In Eastwatch-by-the-Sea stellt Jon ein »Game of Thrones«-All-Star-Dream-Team aus ungleichen Einzelkriegern und Halunken zusammen, mit denen er jenseits der Mauer einen Eiszombie fangen will. Die vielversprechende letzte Einstellung der Folge zeigt den King of the North, der gefolgt von Tormund Giantsbane, Ser Jorah Mormont, Beric Dondarrion, Thoros von Myr, Gendry und Sandor Clegane in den Schneeböen des Winters verschwindet, um den Tod zu begegnen. The hype is real!

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Die aktuelle siebte Staffel »Game of Thrones« ist in Deutschland exklusiv auf Sky zu sehen. Weitere Infos unter: www.sky.de.

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