Kritik zu Onslaught
Der letzte Teil einer Trilogie, in der Adam Wingard die Abgründe amerikanischer Kriegsführung verhandelt, ist ein Home-Invasion-Thriller mit einem Alt-Nazi als Schurken und starken John-Carpenter-Vibes
Am Anfang ist Celeste in einer verlassenen Steppenlandschaft bei Schießübungen zu sehen. Unter ihrer Toughness, ihrer energischen Entschlossenheit lässt Adria Arjona (»Blink Twice«, »Andor«) eine unwirsche Verletzlichkeit durchschimmern. Immer wenn ihr die Erinnerungen an den Krieg in die Quere kommen, muss die Veteranin ihre Blockade lösen, indem sie eine Stelle zwischen Daumen und Abzugsfinger mit einem spitzen Gegenstand malträtiert.
Nach »You're Next« von 2011 und »The Guest« von 2014 schließt Adam Wingard nun eine Filmtrilogie ab, in der er die Verfehlungen amerikanischer Kriegsführung, mit skrupellosen Black-Ops-Einsätzen und posttraumatischen Belastungsstörungen, umkreist. Es sind drei Filme auch, in denen furios kämpferische Frauen eine entscheidende Rolle spielen. »Onslaught« gehört zum Subgenre des Home-Invasion-Thrillers; mit stilistischer Intensität, brachialer Gewalt und charismatischen SchauspielerInnen tritt Wingard hier das Erbe von John Carpenter an.
Im Trailerpark-Home wird Celeste noch verletzlicher durch ihre kleine Tochter Daisy, die ihr Vater ungeplant bei ihr abgibt, kurz bevor in der Nähe, in einem geheimen US-Labor, die Frankenstein-Experimente des alten Nazis Hans Kammler aus dem Ruder laufen. Der ist eine fiktive Weiterentwicklung eines realen SS-Offiziers, der mutmaßlich 1945 getötet wurde. Der sonst so freundliche Dan Stevens verleiht ihm diabolische Kälte. Aus dem Forschungskomplex machen sich drei monströse, in Lumpen und Leder gekleidete Gestalten auf den Weg Richtung Trailerpark. Bewaffnet sind sie mit einem riesigen Hackebeil, einer überdimensionalen Kettensäge und einem Maschinengewehr. Beschrieben werden sie als menschliches Gegenstück einer wärmesuchenden Rakete, als »ultimative Kämpfer zum Einsatz gegen die Zivilbevölkerung«. Wummernde Klänge, ungezügelte Gewalt in neonglühenden Szenerien: Traditionell gewährt die risikofreudige Produktionsfirma A24 ihren wilden RegisseurInnen kreative Freiheiten.





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