DVD-Tipp: »Ben Hur« (1959)
»Ben Hur« (1959). © Warner
Es ist der Inbegriff des Hollywood-Monumentalfilms, und obwohl es bald 70 Jahre alt wird, sieht William Wylers Epos in der neuen 4K-Edition aus wie neu.
Mit »Ben Hur« setzte die in den 1950ern ziemlich marode MGM alles auf eine Karte: Die Mega-Produktion würde entweder die Rettung oder das Ende des Studios sein. Fünf Jahre Vorbereitung und 40 Drehbuchfassungen später begann Regisseur William Wyler mit dem Dreh in Cinecittà in Rom. 300 Sets, fast 400 Sprechrollen, 50 Galeerenmodelle für die Seeschlacht, eine Million Requisiten, bis zu 15 000 Statisten und 40 000 Tonnen Mittelmeersand für die riesige Arena, das bis dahin größte Filmset überhaupt, bot man auf, um das alte Rom, Judäa und Jerusalem wiederauferstehen zu lassen. Und mit Abschluss der kräftezehrenden Dreharbeiten endeten die Superlative nicht: »Ben Hur« war auch ein gewaltiger Kassenschlager und steht mit elf Oscars bis heute an der Spitze der Academy-Awards-Statistik, sowohl »Titanic« als auch »Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs« konnten lediglich gleichziehen. Mission gelungen, MGM gerettet.
Das zeitgenössische Staunen angesichts der Schauwerte dieses in jeder Hinsicht monumentalen Werks lässt sich nun mit der fantastischen neuen 4K-Abtastung sehr gut nachvollziehen. Die Ultra-Panavision-70-Bilder glänzen mit ungeheurem Detailreichtum, leuchtenden Farben und perfekter Tiefe – da kann man sich schon mal in den Texturen der Gewänder oder den Hintergründen von Massenszenen verlieren. Auch die zahlreichen Effektszenen, selbstverständlich allesamt ohne Computerunterstützung, überzeugen zum größten Teil immer noch, ebenso wie der wunderbar epische Score von Miklos Rozsa.
Da scheint die Story fast zweitrangig. Doch auch das Schicksal des von Charlton Heston gespielten jüdischen Prinzen Judah Ben Hur – ein zeitloses Drama um Unrecht, Rache und Vergebung – ist mitreißend erzählt. Von seinem römischen Jugendfreund Messala (Stephen Boyd) verraten und als Sklave auf die Galeeren geschickt, rettet Judah bei einer Seeschlacht den Befehlshaber Quintus Arrius (Jack Hawkins), wird in die römische High Society aufgenommen und ein gefeierter Wagenlenker. Die Stunde der Rache schlägt, als er in der Arena von Jerusalem im Wagenrennen auf Messala trifft – der unbestrittene Höhepunkt des Films, eine perfekt choreografierte und geschnittene, gerade wegen des völligen Verzichts auf Musik zeitlos fesselnde Actionszene.
Vielfach kritisiert wurde die schon in der Romanvorlage breit angelegte biblische Rahmen- und Parallelhandlung um das Leben Jesu, die an zentralen Punkten mit der Filmhandlung verknüpft ist. Und ja, diese Teile der Story samt Wunderheilung von Ben Hurs leprakranker Mutter und Schwester zählen mit ihrem ins Schwülstige ausgreifenden Pathos zu den weniger überzeugenden Aspekten des Films. Immerhin glänzt da noch die israelische Schauspielerin Haya Harareet als Esther, ehemalige Sklavin und love interest des Helden. Und Wyler schafft es sogar in dieser überlebensgroßen Produktion, den Figuren Menschlichkeit und Tiefe zu verleihen, was die christliche Botschaft von Mitleid und Vergebung dann wieder glaubhaft macht.
Spannend sind die Untertöne: Neben Anspielungen auf Naziherrschaft und Judenverfolgung in der Darstellung der römischen Tyrannei klingen in der enttäuschten Freundschaft zwischen Messala und Ben Hur homoerotische Noten mit, über deren Hintergründe man im Bonusmaterial der neuen Edition mehr erfahren kann. Sowohl in der (zum Teil schon vergriffenen) »Ultimate Edition« als auch in der »Steelbook Edition« enthalten sind zwei neue Featurettes, die knapp, aber informativ Schlaglichter auf Geschichte und Bedeutung sowie die visuelle Gestaltung des Epos werfen. Unter den Mitwirkenden: Kamerafrau Autumn Durald Arkapaw, Oscar-Preisträgerin für »Blood & Sinners«, bei dem sie mit den Original-65mm-Objektiven von »Ben Hur« drehte. Ein fast 80-minütiges Porträt von Heston aus dem Jahr 2011 legt den Fokus auf die Entstehung von »Ben Hur«, während ein Making-of von 1993 (mit bescheidener Bildqualität) auch ausführlich auf die vorangegangen Bühnen- und Filmadaptionen von Wallaces Roman eingeht. Heute mag der nur noch wenige Leser zählen – im 19. Jahrhundert war er das meistgedruckte Buch nach der Bibel.
Ben Hur USA 1959 R: William Wyler. Da: Charlton Heston, Stephen Boyd, Haya Harareet, Jack Hawkins. Anbieter: Plaion.
VÖ: 19. März 2026
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